3 Google Analytics Visit-Fakten, die ihr noch nicht kennt

Visits sind eine der wichtigsten Währungen in der Web Analyse. Kaum eine andere Metrik ist aber so komplex, denn es gibt unheimlich viele Feinheiten. Häufig weiß man aber gar nicht, wann ein Visit neu gestartet wird und welche Regeln gelten. Es ist aber erstaunlich, welche krassen Unterschiede es geben kann. Der Einfachheit halber werden hier Sitzungen und Visits synonym verwendet. Diese Fakten beziehen sich alle auf Google Analytics (GA). 

  1. Visits haben in Apps nur eine Laufzeit von 30 Sekunden
  2. 1 Visit = 1 Einstieg (jeder Einsprung in die Seite ist ein neuer Visit)
  3. Direkteinstiege werden ignoriert (die letzte angegebene Quelle hat immer Priorität)

Visit Laufzeit in Apps

Befindet sich der Nutzer in einer nativen App, dann gelten hier andere Regeln als auf einer Website. Auf mobilen Geräten kann man davon ausgehen, dass sich schon nach kurzer Zeit der Bildschirm abschalten wird (Standby) und die Aufmerksamkeitsspanne deutlich kürzer ist. Häufig wird zur Ablenkung eine App geöffnet, kurz mit den Inhalten beschäftigt, und wieder geschlossen. Schließlich passiert die Nutzung im Kontext Unterwegs oder zur Ablenkung. Das native Google Analytics Tracking (natives SDK) setzt eine Spanne zwischen zwei Interaktionen von 30 Sekunden als Standard (siehe https://developers.google.com/analytics/devguides/collection/ios/v2/sessions ). Hat der Nutzer in dieser Zeit keine Interaktion mit der App mehr (kein Swipe, Tap, Zoom, etc.) dann ist er entweder eingeschlafen oder die App ist im Hintergrund. Die Sitzung wird bei der nächsten Interaktion wieder neu gestartet.

Visits sind Einstiege

Besucht ein Nutzer eine Website mehrfach hintereinander, so wird der Visit eventuell mehrfach gezählt. Nämlich, wenn der Nutzer erst über Google und zwei Minuten später über einen Newsletter auf die Seite kommt. Jeder neue Einstieg bedeutet in GA einen neuen Visit. Das hat auch einen praktischen Hintergrund, denn dadurch kann jeder Visit mit eindeutig einer Quelle verbunden werden. Mehrfache Quellen für einen einzelnen Visit sind gleich ausgeschlossen. Dies hilft bei der Attribution der Daten im E-Commerce und jeglicher Conversion. In sich ist also jeder Visit gekapselt und eindeutig vom anderen unterscheidbar.

Dazu mehr in der offiziellen Google Analytics Doku: https://support.google.com/analytics/answer/2731565?hl=en

Direkteinstiege werden ignoriert

Ruft ein Nutzer eine Website auf indem er die Adresse direkt eingibt (oder als Lesezeichen gespeichert hat), dann wird in den meisten Fällen diese Information ignoriert. Nämlich dann, wenn er schon einmal über eine Kampagne oder verlinkende Seite gekommen ist. Nur der erste Direkteinstieg wird als solcher gewertet (oder die Direkteinstiege, die unmittelbar danach folgen). Hat der Nutzer zwischendurch aber über Google oder einen Newsletter den Weg auf die Website gefunden, dann zählen alle weiteren Direkteinstiege nicht mehr.

Auch hier wieder ein Beispiel: Ein Nutzer kommt über Facebook auf einen Artikel im Blog. Eine Woche später gibt der Nutzer die Domain manuell ein, weil er sie sich gemerkt hat. Dieser zweite Zugriff wird auch zur Quelle Facebook gezählt, da es eine Direkteingabe war (und es keine detaillierteren Informationen gibt).

Auch hier findet man weitere Infos in der offiziellen Google Analytics Doku: https://support.google.com/analytics/answer/2731565?hl=en

All diese Einstellungen können technisch angepasst werden, denn nicht immer sind die von GA vorgegebenen Logiken relevant.

Bist du auch schon mal über eine solche Logik gestolpert? Schreib am besten gleich einen Kommentar.


Kommentare

Florian am 4. September 2014 um 10:25:19

Die Logik von Google mit der Wertung des Direkteinstiegs ist echt strange. Wie handhabt das PIWIK oder andere Tracking-Tools?

Michael Sinner am 4. September 2014 um 10:45:31

Hi Florian,
vielen Dank für dein Kommentar. Viele Trackingtools wie z.B. Webtrekk behandeln das nicht nach dieser Logik. Der Hintergrund bei GA liegt wahrscheinlich darin, dass es Google häufig um die konkrete Zuordnung von Kosten für Kampagnen und Akquisition geht. Und bei einem Direkteinstieg würde keine konkrete Zuordnung erfolgen, zB. zu AdWords. Das will man vermeiden und behält sich den letzten Kontakt vor, da ein Direkteinstieg quasi durch den vorherigen Kontakt angetriggert wurde.
Mit PIWIK habe ich wenig Erfahrung, aber ich denke, dass hier keine so verschachtelte Logik angewendet wird. Schließlich liegt der Schwerpunkt bei PIWIK auf der manuellen Implementierung und Konfiguration.

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