Content löschen, aber richtig!

Fokussierung ist eine einfache Strategie: Lösche, was nichts bringt, verbessere was übrig bleibt und generiere damit mehr qualitativ hochwertigeren Traffic. So einfach das aktuell beliebte Konzept.

Bei der Umsetzung stellen sich allerdings meist zwei Fragen:

  1. Wie finde ich heraus, was ich löschen und was ich behalten muss?
  2. Was heißt löschen konkret?

Beide Fragen sind nicht ganz einfach und für beide gilt „es kommt darauf an“. Dennoch können wir ein wenig Richtschnur geben.

Vorweg ein wenig Hintergrund:

Warum ranke ich mit weniger Seiten besser?

In der Tat ist dieser Punkt für Viele erst einmal kontraintuitiv. Doch sind die Mechanismen einfach:

  • Google hat mehr Ressourcen, um die wertvollen Inhalte zu verarbeiten
  • Google hat eine höhere Trefferquote qualitativ hochwertige Inhalte zu finden
  • Die interne Verlinkung wirkt zielgerichtet
  • Die Optimierung des verbliebenen Inventars wirkt auf einmal wie eine lösbare Aufgabe (und wird angegangen)
  • Die aufgeräumte Seite ist nun im Verhältnis aktueller und qualitativ hochwertiger

Entscheidend ist natürlich, dass wir vor allem die Inhalte löschen, die wenig zum Erfolg beitragen.

Welchen Content löschen?

Letzten Endes wollen wir allen Content löschen, der nicht positiv auf Branding, relevanten Traffic und Conversion einzahlt. Lassen wir Branding und Conversion für einen Moment außen vor. Für SEO wirkt Content positiv, der

  • bereits Traffic erhält
  • intern stark verlinkt wird
  • Linkverteilerfunktion für die interne Verlinkung hat
  • Links von außen einsammelt
  • indexierbar ist

Wenn wir diese Bedingungen umkehren, wird daraus eine einfache Checkliste, ob der Content gelöscht werden kann (Schwellenwerte sind natürlich immer etwas individueller als hier illustriert):

  • URL erhält über einen längeren Zeitraum (saisonale Effekte berücksichtigen!) weniger als 1 Klick je Tag laut Google Search Console (Schwellenwert vorab definieren beziehungsweise anpassen)
  • URL gehört nicht zu den 25% intern bestverlinkten URLs
  • URL trägt nicht besonders zur internen Verlinkung bei
  • URL hat keine Aufrufe mit fremdem Referrer / keine externen Links
  • URL ist nicht indexierbar aber nicht erforderlich beziehungsweise hat keine Daseinsberechtigung (beispielsweise, wenn bei Duplicate Content mit noindex gearbeitet wird)

Schematisch kann man das vereinfacht so darstellen:

Soll ich diese URL löschen? URL hat relevant Impressions oder Clicks (Search Console) URL bringt viel Deckungsbeitrag URL hat viele Backlinks / Referrer-Traffic URL wird stark gecrawlt oder viel intern verlinkt Keines von oben trifft zu * behalten * optimieren * ausgehende interne Verlinkung stärken Deaktivieren / Löschen Ursache prüfen

Natürlich ist es möglich, die Auswertung noch komplexer zu gestalten und weitere Daten zu erheben, anhand derer man den Content überprüft. Denkbar ist hier die Einbeziehung von Conversions, die Länge von Texten, etc. – aber das nur am Rande.
Die konkrete Prüfung, wie mit den zu löschenden Inhalten zu verfahren ist, könnte etwa so aussehen:

Wie wollen wir löschen?

Grundsätzlich gibt es 5 Alternativen (natürlich gibt es noch ein paar mehr, aber eigentlich lassen sich die meisten Optionen recht gut in dieses Muster prügeln):

  • Löschen / 410 oder 404 –> Vernichten der URL
  • Weiterleiten / 301 –> Weiterleiten der URL
  • Canonical –> „Weiches“ weiterleiten der URL
  • Noindex (Meta-Robots oder X-Robots bei Bildern, PDF, etc.) –> Indexierung der URL verbieten
  • Disallow in Robots.txt –> Crawling der URL verbieten

Genau genommen bleibt der Content bei den beiden zuletzt genannten Optionen erhalten und wird nicht wirklich gelöscht. Aber aus Google-Sicht rückt er zugunsten anderer Inhalte aus dem Fokus. Achtung: Ein Disallow in der robots.txt führt nicht zur Deindexierung einer URL!

Detailliert sieht das dann so aus:

Kommentare:

  • Löschen (404/410): Bei wenigen externen Links bevorzugte Lösung
  • Weiterleiten (301): Bei identischem Inhalt bevorzugte Lösung
  • Canonical: Ein Hinweis, keine Anweisung an Google
  • Noindex: Noindex wirkt mittel- bis langfristig wie Noindex, Nofollow
  • Noindex, NoFollow: Nur als Notfallmaßnahme bei strukturellen Problemen sinnvoll (beispielsweise schlechte Facettierung)
  • Disallow: (Robots.txt): Kontrollverlust über Indexierung, nur Notfall-Maßnahme bei Crawling-Problemen
  • Disallow: + Noindex (Robots.txt): Nicht offiziell supportet, nicht verlässlich

Tipp: Vor dem Löschen noch eine Sicherungskopie erstellen. Eventuell bietet es sich sogar an den Content zu recyclen, aufzuhübschen, zu kombinieren und dann als neuen aktuellen Beitrag zu veröffentlichen.

Fazit:

  • Sei gründlich in der Auswahl der zu löschenden Seiten
  • Sei gründlich in der Auswahl der Löschmethode
    • Löschen ist die einzige Variante, die alle Probleme behebt
    • Weiterleiten kann sinnvoll sein, wenn die Inhalte ähnlich sind. Wenn nicht wird Google die Weiterleitung ignorieren. Sofern Weiterleitung wenig Aufwand wäre das immer meine Zielgröße
    • Noindex verliert mittelfristig ebenfalls die Linkpower, ist daher nur kurzfristig besser als Robots.txt
    • Robots.txt Disallow ist eine reine Notlösung. Wenn, dann idealerweise immer Kombination von Disallow und Noindex verwenden. Sicherheitshalber den Noindex-Block unter den Disallow-Block, damit Suchmaschinen, die Noindex nicht unterstützen nicht eventuell Disallow-Anweisungen übersehen
      Achtung: Blockieren über Robots.txt führt dazu, dass Status und Indexierungsangaben nicht verarbeitet werden können
  • Ranke besser mit mehr Fokus

Die beste Variante ist immer wertlose URLs gar nicht erst zu erzeugen.

Erstellst Du keinen Schrott, dann musst Du Dir keine Gedanken darüber machen, wie Du ihn entsorgst. — Seofuzius


Kommentare

Heiko Stiegert am 7. Juni 2018 um 09:12:16

Kann diesen Ansatz ebenfalls nur empfehlen. Das Pareto-Prinzip kann man auf diese Weise bei sehr vielen Projekten anwenden. Interessant ist dann auch das Thema Zeit- & Kostenersparnis. Denn wenn man sich den wichtigen 20% widmet, die den Großteil des Umsatzes erzielen, ist es erstaunlich wie viel Zeit man gewinnt, in der man sich dann der Optimierung der Produkte oder der Marketing-Maßnahmen widmen kann.

Steven am 7. Juni 2018 um 13:22:49

Kurz und knackig geschrieben und optimal für meine Checklistensammlung! Top.

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