Die Grenzen der SEOs

Johannes hat einen interessanten kurzen Artikel über den „Größenwahn“ der SEOs geschrieben. Johannes kritisiert, dass sich viele mit breit gefächerten Blogartikeln in letzter Zeit äußern und die SEO–Schwerpunkte verlieren. Gleichzeitig hätten SEOs weiterhin den Anspruch das Rad neu zu erfinden, weswegen auch die fachlichen Blogposts und Konferenzbeiträge esoterischer werden.

[blockquote indent=“yes“ ]Dadurch sehe ich derzeit die Gefahr, dass die Branche die wichtige Bodenhaftung verliert. Wenn ich mit Personen spreche, die besser gefunden werden wollen, so ist das Problem in der Regel nicht, dass Pi für die wichtige WTF-Formel in der 9. Nachkommastelle falsch berechnet wurde, sondern es mangelt an Grundlagen wie Keyword-Recherche, Informationsarchitektur und crawlerfreundlicher Webseitengestaltung.[/blockquote]

Nun gehören die Wingmen genau zu denen, die sich nicht nur auf SEO beschränken wollen. SEO ist kein Selbstzweck, nur weil es eine coole Disziplin ist, SEO muss sich wie alle Online Marketing Aktivitäten betriebswirtschaftlichem Nutzen unterordnen. Und mit SEO allein kann ich keine langfristig erfolgreiche Entwicklung meiner Domain aus betriebswirtschaftlicher Sicht sicherstellen. Um wirklich erfolgreich zu sein, muss ich an meiner Usability feilen, meine Conversion optimieren und stets die Zahlen im Blick haben. Ich muss mich mit Accessibility beschäftigen und damit, wie ich meine Akquisekosten für User senken kann, sei es durch Newsletter, Social oder in technisch affinen Bereichen vielleicht nur RSS. Aber ich muss mich damit beschäftigen.

Schuh & Champagner

Schuster bleib bei Deinen Leisten — und sauf nicht so viel!

Im kleinen Rudel kann ich Spezialisten für unterschiedliche SEO–Disziplinen vorhalten. Schließlich bietet jede einzelne SEO Unterdisziplin einen eigenen Know How–Mikrokosmos. Und es bringt ja auch nichts dort stehen zu bleiben. Spätestens alle sechs Monate sollte man sein Know How runderneuern, schauen ob die eingesetzten Wege funktionieren, sich selbst auf den Prüfstand stellen, damit man den Blick für neue Techniken und zukünftige Entwicklungen wieder heben kann und nicht Gefahr läuft dank historisch positiver Beweisführung „DAS haben wir schon immer so gemacht“ in den Trott der Blinden zu geraten. Dazu haben die Rudelmitglieder die Möglichkeit sich solides Grundlagenwissen in einem anderen Bereich zu erarbeiten. Das reicht in der Regel nicht für 100% Optimierung in diesem Bereich, aber es reicht, um die wichtigsten Fehler nicht mehr zu machen.

Für den SEO–Einzelkämpfer gibt es diese Möglichkeit nicht. Er könnte:

  • Sich voll auf SEO und seinen Lieblingsschwerpunkt konzentrieren und schauen, dass er dort so erfolgreich wird, dass Schwächen betriebswirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen
  • Aufwand im SEO reduzieren und sich zum Generalisten entwickeln. Dann kann ich alles ein bisschen, nichts richtig, gehe aber davon aus, dass sich dadurch entstehende SEO–Schwächen durch bessere Nutzung anderer Kanäle substituieren lassen
  • SEO mit Vollgas betreiben und mir in den anderen Bereichen bezahlte Hilfe von außen holen
  • 12 Stunden am Tag Fachvorträge, Blogbeiträge, Bücher aus allen Bereichen lesen, um Experte für alles zu werden. Leider fehlt ihm dann die Zeit für die praktische Anwendung, so lang er noch die Erdung eines Lebens außerhalb des Online Marketing wünscht. Zudem bleibt ohne erfolgreiche Eigentests die Frage nach der Richtigkeit des Gelesenen, insbesondere für das eigene Geschäftsmodell.

Johannes schließt seinen Artikel mit „Schuster bleib bei Deinen Leisten“. Wir können dem nur zustimmen. Erfolgreiches, langfristig orientiertes SEO für große Domains erfordert aber auch, dass man ganzheitlicher denkt (zumindest in der Beratung). Welche User will ich auf der Seite haben? Auf welche Ziele hin soll optimiert werden. Was bedeutet das für meine Keywordanalyse und Seitenarchitektur? Bei solchen Fragen ist es enorm hilfreich die Grundlagen von Usability und Conversion Optimierung verstanden zu haben, um gutes SEO machen zu können.

Denn Johannes hat recht: Wir beobachten ach so häufig, dass Nachfragen nach WDF–IDF, Linkabbau ohne GWT–Benachrichtigung und dem heiligen SEO–Gral gefragt wird, die ersten Nachfragen zeigen dann schon Schwächen in Zielausrichtung, Keywordanalyse, Indexsteuerung, Crawlability und Quelltext–Qualität. Es geht nicht darum immer neue Formeln, Taktiken und Strategien zu besprechen, sondern erstmal die Basics glatt zu ziehen. Das ist vielleicht nicht immer so unterhaltsam wie gute Konferenzvorträge über potenzielle neue Trends, aber es ist notwendig, um erfolgreich SEO betreiben zu können und sich dann Gedanken über solche Trends zu machen.

SEOs sind keine Online Marketing Götter in weiß (oder der Farbe ihres Lieblingstools), SEOs sind hart arbeitende Wissensworker. Und Wissen braucht Zeit und Erfahrung. Vielleicht nicht die berühmten 10.000 Stunden von Malcolm Gladwell, aber extrem lang und das gilt auch für das Lernen neuer Online Marketing Themen. Nur weil ich von mir glaube ein megaschlauer SEO zu sein, ist es absurd zu glauben, dass ich in einem Monat Usability–Experte sein könnte, oder Conversionmaster. Ich muss akzeptieren, dass es mir so gehen wird, wie in den ersten Jahren des SEO. Ich bleibe ein Padawan und die entsprechende Demut vor echten Jedi–Rittern sollte ich auch an den Tag legen.


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[…] Wenige Tage später polarisierte Johannes Beus in der Branche mit seinem Beitrag: „Vom SEO-Experten zum Tausendsassa? Nicht so schnell!“. Ein Blick auf die Kommentare des Artikels zeigt wie kontrovers seine Ansichten diskutiert werden. Hinzukommen weitere externe Stellungnahmen, z.B. von Karl Kratz, Martin Mißfeldt und Johan Hülsen. […]

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