Wirklich wahres Wingmen SEO Wissen für wache Webmarketer #67
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Florian Stelzner
Florian Stelzner
Geschäftsführender Gesellschafter
​​👙 It's the end of the Schlüppi and we know it

Jetzt, da ein Großteil der Vaccinierten sich in ein paar Tagen nicht nur über besseren Handyempfang und das Überleben der Wendlercalypse erfreuen dürfen, erlebt man immer mehr Vor-Ort-Gemenschel. Hach! Schön.

Nicht nur in der vorletzte Woche auf der Campixx (von der Du natürlich auch heute wieder einige Wingmensch-Recaps lesen kannst) sondern auch in ersten Vor-Ort-Kundenterminen an Stelle von Videomeetings können wir nun recht sicher das Ende der Schlüppi-Arbeitsklamotten-Ära verkünden. Yay!

Neben dem Human-Ressource-Karussell, das sich laut Branchengeflüster gerade etwas schneller dreht als normal, stehen auch die SEO-News-Ticker kaum still.

In dieser Woche erzählt Dir Anita von kontinuierlicher Suche und Nora berichtet über das Thema Duplicate Content Muster erkennen. Andreas und Johan teilen Eindrücke aus Campixx-Sessions zu „ungenutzten Shop-Potenzialen", „SEO-Audits wie dept die match" und „überbewerteten SEO-Themen".

Viel Spaß beim Lesen!

Deine Wingmen

Was wir gelesen haben
Anita Böhm
Anita Böhm
Consultant
Continuous... what now?!

Ein Feature namens Continuous Search sorgt in der SEO-Szene für Entsetzung. Google testet es momentan in Chrome Beta und beschreibt es folgendermaßen:

When you're looking something up in Google Search, sometimes it takes navigating to more than one page to find exactly what you are looking for. To make it easier to navigate from one search result to the next in Chrome, we're experimenting with adding a row beneath the address bar on Chrome for Android that shows the rest of the search results so you can get to the next result without having to go back.

Kurz gesagt: Du suchst etwas bei Google und klickst auf ein Ergebnis. Unterhalb der Adresszeile wird eine - nicht gerade dezente - zusätzliche Leiste angezeigt. Dort sind die übrigen Ergebnisse zu Deiner Suchanfrage mit Title und Domain aufgelistet. Wenn Dir der aktuelle Treffer nicht zusagt, kannst Du so direkt eine andere Seite auswählen. Ohne zurück in die SERP zu gehen.

So sieht es aus

Vorschau GIF für Google Continous Search

Viele SEOs sind von dieser innovativen Idee not amused. So gibt es Befürchtungen, dass Google hier perspektivisch auch Werbung platzieren könnte. Oder das (zumindest in bestimmten Bereichen) dort dann überwiegend große Seiten wie Amazon im Fokus stehen und kleinere untergehen.

Auch bei Twitter gibt es regen Austausch dazu. Zum einen wird die fragwürdige UX bemängelt. Aber auch betont, dass das Feature keine Einbahnstraße ist: Klar ist es doof, wenn Suchende hier Deine Wettbewerber angezeigt bekommen, obwohl sie gerade auf Dein Ergebnis geklickt haben. Andererseits wirst Du dann ja auch angezeigt, wenn sich jemand erstmal für einen anderen Treffer entschieden hat.

Ich hab auf jeden Fall schon Behrends genervten Blick vor dem inneren Auge, der dann sicher eine riesige Freude daran haben wird, seine GSC-Fuckup-Liste zu ergänzen. Denn durch eine solche Funktion wird es sicher noch schwieriger, die daraus resultierenden Daten zu verstehen und das Verhalten der Nutzer*innen zu bewerten.

Aber vielleicht ist auch alles gar nicht so schlimm, wie es erstmal aussieht. Zum einen ist die Continuous Search erstmal ein Experiment. Wenn die Feedback-Funktion, wie John Mu es anregt, entsprechend genutzt wird, könnte das womöglich einen Einfluss darauf haben, ob und wie es damit weiter geht.

Außerdem muss das Feature, zumindest momentan, erstmal proaktiv eingeschaltet werden.

Auf jeden Fall spannend, was Google da mal wieder ausprobiert. Schauen wir mal, ob und was daraus wird!

Florian Stelzner
Florian Stelzner
Geschäftsführender Gesellschafter
Geiler Scheiß, Google, aber ist das nicht n bisschen scary?

In eine ähnliche Kerbe wie die von Anita berichteten Continuous Search schlägt das Google Style AI Team. Master Brain hinter diesem Projekt ist Debbie Biswas, von der im Bericht als Fashion Industry "Veteranin" gesprochen wird, (ob das die beste Bezeichnung ist, lasse ich mal dahingestellt) also Expertin mit langjähriger Erfahrung in der Branche und ihrem eigenen Start Up. Nicht zuletzt in ihrer letzten Station vor Google bemerkte sie schnell, dass die Ansprüche der Kundinnen und auch ihrer viel zu oft nicht zu den Models passen, die die Kleidung vorführen. Der Gedanke, dass man AI nutzen könnte, um passende Produkte für "Menschen wie mich" anzuzeigen, ist dabei der brandneue Clou und Google natürlich einer der besten Orte, um dieses Thema voranzutreiben.

Besonders interessant: Neben Dingen wie Muster, Schnitt, Länge und Breite könnte Machine Learning auch dazu genutzt werden, um Features wie "Shop the look" voranzutreiben. Die künstliche Intelligenz könnte also nicht nur das Hauptkleidungsstück des Fotos finden, sondern sämtliche abgelichteten Dinge auf dem Bild, wie Bluse, Hose, Schuhe, Handtasche und Ohrringe.

Wir denken, dass diese Technologie ein Game-Changer in der Klamotten-Suche sein könnte, da wir sehr oft beobachten, dass Einstiege im Fashion-Bereich über die Bildersuche erfolgen. Don't be evil, Google liest man aus den AI Design Principles mit einem kleinen Zwinkern im Auge.

Nora Tiedemann
Nora Tiedemann
Trainee
Hält doppelt wirklich besser?👯‍♀️

Im Fall von Sören und Johan schon! Das dynamische Duo ist back on track - diesmal mit einem Technical SEO Talk zum Thema Duplicate Content Muster erkennen.

Dabei haben sie sich (für ihre Verhältnisse 😉) relativ kurz gefasst und zeigen Dir anhand von praktischen Beispielen aus dem E-Commerce, wie Du künftig internen Duplicate Content erkennst und so mögliche Probleme vermeidest. 

Aber warum ist Duplicate Content überhaupt ein Problem?🙀

Grundsätzlich kassierst Du von Google für internen Duplicate Content keine Penalty, trotzdem sind inhaltliche Dopplungen problematisch, da sie für den User möglicherweise keinen Mehrwert liefern. Außerdem kann Duplicate Content Ranking-Probleme verursachen, denn Du gibst damit einen großen Teil Deiner Kontrolle an Google ab.

Wenn Du nicht für die Suchmaschine entscheidest, welche Inhalte relevant sind, entscheidet sie sich selbst - und das im Zweifel für die falsche URL, denn für Google ist womöglich nicht ersichtlich, welche Seite den passenden Inhalt für eine gestellte Suchanfrage bietet. Dadurch kann es zu einem Wechsel der Ziel-URLs in den SERPs kommen und die Performance der einzelnen Seiten leiden.

Google verbraucht bei der Verarbeitung Deiner Inhalte außerdem Ressourcen, die dann an anderer Stelle fehlen, um zum Beispiel neue Inhalte in den Index aufzunehmen. Du verlierst mit diesem Kontrollverlust außerdem auch ein Stück Deiner Macht über die User-Führung und die damit verbundene Conversion. Last but not least verschwendest Du womöglich auch innerhalb Deiner internen Verlinkung durch die Duplikate wertvollen Link-Juice. 

Doch wie kannst Du nun Anomalien und Fehler finden? 🔎

Johan und Sören zeigen Dir in ihrem Video anschaulich, wie Du zum Beispiel in Title und Description sowie der URL-Struktur Muster erkennst und damit Deinen Duplicate Content identifizieren kannst. Dabei schauen sie unter anderem auf:

  • Dopplungen in den Meta-Daten auf Produktdetailseiten bei H&M,
  • Duplikate durch gleichartige Produkte mit Variationen bei Esprit,
  • Technische Duplikat-Klassiker bei Medion, 
  • Und (wenig, aber dennoch vorhandene) interessante Fehlerquellen bei Otto.de

Wenn Du jetzt neugierig geworden bist, dann schau Dir gerne das Video von Sören und Johan an! Vielleicht hattest Du ja auch der CAMPIXX die Möglichkeit mit den beiden zu sprechen?

Falls nicht, berichten wir Dir natürlich weiterhin, wenn es eine neue Folge des Technical SEO Talks gibt oder Du wendest Dich mit Feedback, Wünschen und/oder Fragen direkt an Sören oder Johan.

Andreas Schalay
Andreas Schalay
Consultant
7 große Potenziale die umsatzstarke Online-Shops selten nutzen (Nedim Sabic)

Nedim hat auf der Campixx über 7 große E-Commerce Potenziale gesprochen, die große Online-Shops aus seiner Erfahrung oft liegen lassen. Es waren viele nützliche E-Commerce-Tipps dabei wie: gegen den Klickbetrug richtig zu kämpfen, Facebook Dynamics Ads zu nutzen und bessere Bedingungen für Affiliate-Marketing zu entwickeln. Und es gab auch einen coolen SEO-Tipp, den ich Dir nicht vorenthalten möchte.

Wir alle wissen ja, dass die informationellen Keywords wichtig sind, um die Nutzer so früh wie möglich in den Funnel einzuholen. Nedim hat einen interessanten Ansatz für die Arbeit mit diesen Keywords präsentiert. Er hat vorgeschlagen die Keywords mit hohen CPC Werten zu ermitteln und dann zu überlegen, welche informationalen Suchanfragen diesen teuren Keywords vorausgehen könnten.

Sein Beispiel war thematisch etwas pikant, deswegen, werde ich ein anderes Beispiel für diese Taktik einbringen:

Ich nehme einmal das Keyword "matratzen härtegrad 3" als Beispiel - ein tolles aber teures Keyword. Ich überlege dann: was hat der Nutzer sich eventuell vorher gefragt, um zu dem Entschluss zu kommen, dass der Härtegrad 3 für ihn die richtige Wahl ist. "matratzen härtegrad 3 wieviel kg" oder "matratzen härtegrad bestimmen" sind beispielsweise Suchen, die dem vorangehen. Hiermit kannst Du den Nutzer dann schon eher in den Funnel ziehen.

Ist relativ logisch und banal, aber für mich war dieser reversive Gedankengang etwas erleuchtend.

Johan von Hülsen
Johan von Hülsen
Geschäftsführender Gesellschafter
SEO House Talk Runde "Überbewertete SEO Themen"

Jens hat mich gefragt, ob ich auf eine Diskussion zu „überbewerteten SEO-Themen Lust habe". Natürlich habe ich das. Mit Martin Witte, Niels Dahnke und Thomas Wagner identifizierten wir zusammen 3 Themen:

Page Speed ist kein SEO

Auch wenn uns SEOs das Thema Page Speed Spaß macht und ich mich wahnsinnig gerne über die Details der Page Speed-Optimierung austausche: Page Speed ist kein SEO-Thema. SEOs treiben das Thema gern, weil:

  1. Wir die notwendigen Skills haben

  2. Wir uns über konkret benannte Faktoren freuen

  3. Wir uns gern an Schwellenwerten messen

Aber: Die Auswirkungen der Optimierungen sind oft minimal oder nicht belegbar. Gleichzeitig allokieren wir unsere SEO-Ressourcen (Budget, Developer-Zeit, Management Awareness) aktuell vor allem auf Speed. Und übernehmen damit eine Aufgabe, die jede andere Disziplin auch übernehmen könnte (und sollte) aus unseren SEO-Budgets.

Eigentlich sollte SEO hier nur Anforderungen stellen und die Maßnahme aus dem gemeinsamen Budget von SEA, Conversion, UX, Dev und allen anderen bezahlt werden, da alle davon profitieren.

Dazu kommt, dass für viele - insbesondere kleine - Seiten diese Maßnahmen nicht skalieren und Budget/Aufwand besser in Content, Keyword-Recherche, Interne Verlinkung, etc. investiert wären.

Ausnahmen gibt es natürlich: Ist Deine Strategie eher auf Technik aufgebaut, Deine Seite eher groß (Crawling-Ressourcen) oder sind Google News und Discover für Dich relevante Kanäle, dann kann es auch sinnvoll sein, dass Du SEO-Budget dort investierst. Ansonsten ist es hilfreich (insbesondere für die langfristige Tragfähigkeit der Performance-Optimierung), wenn das Thema Page Speed unternehmensweit verankert wird und nicht bei den SEOs. Denn meistens können wir auf anderen Spielfeldern mehr Impact liefern.

Longterm-Noindex und Paginierung

Es macht in der Regel für SEOs keinen Sinn Geld und Budget in die Optimierung der Paginierung zu stecken, denn:

  • Die Optimierung der Paginierung ist meist die falsche Antwort auf die Frage, wie man Inhalte gut erreichbar macht
  • Paginierungen werden oft nicht gecrawlt und haben daher nur geringen Impact für die Discovery
  • Der Beitrag für die interne Verlinkung ist oft gering
  • Für die Discovery neuer Seiten sind Sitemaps oft ausreichend
  • Häufig kann mehr erreicht werden, wenn Produkte priorisiert werden

Für die Konzeption interner Verlinkung empfehle ich immer: Stell Dir eine mobile Seite vor. Jetzt streichen wir Hauptnavigation, Footer und Paginierung raus. Wie kann ein Konzept aussehen, in dem wir alle wichtigen Seiten einfach und logisch erreichbar machen.

Wenn wir diese Frage gelöst haben, dann ist die Frage nach der besten Umsetzung der Paginierung nicht mehr relevant und oft kann Paginierung dann auf vielen Seiten entfallen.

Über interne Verlinkung habe ich übrigens schon mal ausführlich mit Jens gesprochen.

Sprechende URLs und URL-Strukturen

Hier hatten wir sehr schnell Einigkeit. Sind Deine URLs kein Problem, dann solltest Du sie nicht ändern. Denn: Cool URIs never change.

Sind Deine URLs ein Problem, weil beispielsweise die Nennung der Kategorie in den Produkten zu Duplicate Content führt oder Dein CMS-Wechsel den erhalt der URLs unverhältnismäßig teuer macht, dann ergibt es Sinn sich eine URL-Struktur zu konzipieren, die:

  • Logisch und für alle mit der Webseite beschäftigten intuitiv ist
  • sicherstellt, dass jeder Content unter genau einer URL verfügbar ist
  • Als Bonus eine einfache Auswertbarkeit sicherstellt.

Gerade der erste Punkt ist manchmal für Produkte mit der EAN statt des Produktnamens einfacher erreicht. Bei Kategorieseiten ist es meist umgekehrt. Hier hilft es, wenn man beispielsweise shop.de/marken/apple tippen kann, ohne die ID der Apple-Kategorieseite kennen zu müssen.

Ob ein Keyword in der URL steht oder nicht hat aber keinen messbaren SEO-Impact mehr. Eine logische, klare Struktur schon. Und auch Parameter sind nicht per se ein Problem.

Das Weiterleitungen bei jeder URL-Umstellung selbstverständlich ~~sind~~ sein sollten versteht sich von selbst.

Bewertungen und Reputation Management

Martin hatte Bewertungen als „überwertetes Thema" mitgebracht, um direkt klarzustellen, dass das Thema eigentlich „unterbewertet" ist.

Bewertungen, Reviews und Erfahrungsberichte sind nicht immer relevant, aber:

  • Wenn local search für Dich relevant ist, dann solltest Du die MyBusiness-Bewertungen sehr ernst nehmen.
  • Die Bewertungen der Produkte auf Deiner Seite musst Du ernst nehmen.
  • Die Bewertungen Deines Unternehmens sind für die Trust-Ermittlung relevant. In den Quality Rater Guidelines. Geht Google recht ausführlich auf die Relevanz dieser Information ein. Und auch, wenn wir noch nicht wissen in welcher Form Google diese Informationen sammelt, auswertet und berücksichtigt ist klar: Die Frage, ob Dein Unternehmen einen guten Ruf und zufriedene Kunden hat ist früher oder später ein Ranking-Kriterium.

Müssen wir SEOs jetzt auch noch das Reputation Management mitmachen?

Ich denke nicht. Ähnlich wie beim Page Speed müssen wir deutlich machen welchen Impact schlechte Reviews und Bewertungen der Produkte und Leistungen auf das Ranking haben können und was das für den Umsatz bedeutet. Danach sind andere am Zug zu entscheiden, ob daran gearbeitet werden soll und was in welcher Form konkret verbessert werden kann. Wir SEOs können schlecht beim Versand der Pakete zuschauen, ob die ordentlich verpackt werden. Wir können nicht dem Lieferanten hinterherfahren, um zu schauen, ob er freundlich grüßt und wir können auch nicht vorschlagen, wie die Usability unserer Produkte verbessert werden kann.

Wir können aber:

  1. Bewertung der IST-Situation und Abschätzung der Risiken liefern
  2. Im Internet geäußerte Meinungen über das Unternehmen aggregieren und informieren
  3. Druck machen, falls negative Reviews und Bewertungen steigen

Was kannst Du sofort tun?

  1. MyBusiness-Bewertungen prüfen
  2. Dein Unternehmen + Erfahrungen oder Bewertungen googlen
  3. Die Google Suggests prüfen: Mit welchen Begriffen wird Dein Unternehmen, Deine Brands und Deine Produkte zusammen gesucht? Kündigen? Betrug? Erfahrung? Unternehmen A oder B? Was für Inhalte ranked Google zu solchen Begriffen?
  4. Google Alert zu Deinen Brands einrichten, damit Du benachrichtigt wirst, wenn neue Berichte erscheinen.
  5. Kurzen Benchmark erstellen und regelmäßig (alle 6 Monate) schauen, ob sich Messungen verschlechtert haben.
 
Fragen? Immer gerne fragen!
Wir sind für Dich da.
Schreib uns gern jederzeit
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ruf uns einfach kurz an: +49 40 22868040

Bis bald,
Deine Wingmen
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