Wirklich wahres Wingmen SEO Wissen für wache Webmarketer #284
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Lara Hornung
Lara Hornung
Werkstudentin
🛍️ SEO im Shoppingrausch

Am Freitag ist es wieder so weit: Der Black Friday lockt mit (vermeintlichen) Schnäppchen! Jener turbulente Tag, an dem Ladebalken glühen, Warenkörbe platzen und Marketing-Teams kollektiv schneller atmen als sonst. Zwischen Preisstürzen, Panikkäufen und Pixel-Promotions haben wir versucht, einen klaren Kopf zu bewahren und trotzdem tief in die Trend-Taschen zu greifen.

Daher bringen unsere Autor:innen, wie immer, die wirklich wichtigen Insights der Woche mit:

  • Cashback- Cleo wirbelt durch den Cloudflare-Ausfall wie ein Black-Friday-Shopping-Run.
  • Mobilshopper-Matt nimmt das neueste KI-Feature in die Hand und prüft kritisch den Warenwert.
  • Schnäppchen-Sandra durchstöbert die Accessibility-Regale und klärt auf.
  • Neukauf-Nadine packt neue GSC-Annotations in Deinen Analyse-Warenkorb.
  • Jahressale-Johan sortiert sein hreflang-Regal neu und räumt schonungslos aus.

Viel Spaß beim Lesen!

Deine Wingmenschen

Was wir gelesen haben
Cleo Lauterbach
Cleo Lauterbach
Junior Consultant
Wenn Cloudflare stolpert

Letzte Woche, am 18. November 2025 kam es zu einem globalen Ausfall bei Cloudflare. Vielleicht hast Du es mitbekommen. Cloudflare ist einer der größten Infrastrukturdienste weltweit und zählt aktuell zu den zentralen technischen Säulen des Internets. Der US-Anbieter schützt, beschleunigt und verteilt den Traffic für Millionen Websites. Das reicht von internationalen Konzernen bis hin zu kritischen öffentlichen Diensten.

Laut einer Einordnung von The Verge ist die Größenordnung von Cloudflare gigantisch:

“Last year, the company said around 20 percent of the web runs through Cloudflare’s network. It also serves 35 percent of companies on the Fortune 500 list, in addition to “millions” of other customers”

Cloudflare ist damit kein kleiner CDN-Dienst mehr, sondern eine kritische Internetinfrastruktur, die sich weiter ausdehnt. Im November 2025 gab das Unternehmen die Übernahme von Replicate, einer Plattform zum Bereitstellen und Feinjustieren von Open-Source-KI-Modellen, bekannt.

In der letzten Woche zeigte sich mit dem Ausfall von Cloudflare, wie sensibel die Welt auf den Zusammenbruch eines solchen Giganten reagiert. Zahlreiche große Internetdienste waren betroffen, darunter unter anderem X (ehemals Twitter … wann wird man aufhören, das anbei zu nennen?) und ChatGPT.

Cloudflare veröffentlichte eine Erklärung zum Vorfall:

An oversized configuration file triggered a failure in a core bot-management component. Kurz gesagt, Cloudflare interpretierte plötzlich eine große Anzahl legitimer Nutzer als Bots. Die Folge: massenhaft 5xx-Fehler, Webseiten fielen weltweit aus.

Hat das Auswirkungen auf Google-Rankings?

Der Ausfall löste sofort Diskussionen aus. Googlebot crawlt das Web ununterbrochen, doch was passiert, wenn ein großer Teil davon schlagartig 5xx-Fehler liefert?

John Mueller reagierte in einem Kommentar auf LinkedIn:

LinkedIn Kommentar von John Mueller: We have a page for you! https://developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/http-network-errors documents what happens with the HTTP status codes. "5xx and 429 server errors prompt Google's crawlers to temporarily slow down with crawling. Already indexed URLs are preserved in the index, but eventually dropped."
If we're talking about a temporary thing shorter than about a day, Google will slow down a bit for the next days, but will also aumatically ramp back up. No ranking change. No manual roll-back to anything.

Damit sind die Folgen eindeutig:

Kurzfristige Ausfälle (< 24 Stunden):

  • Google wertet das nicht negativ.
  • Rankings bleiben stabil.
  • Google reduziert nur vorübergehend das Crawl-Tempo.

Diese Transparenz ist wichtig, denn daraus lernen wir, dass ein globaler Infrastrukturfehler nicht automatisch zu Schäden führt, solange die Störung schnell behoben wird.

Matthias Pülz
Matthias Pülz
Junior Consultant
Wird es jetzt Brand-gefährlich? KI in der GSC

Zuletzt legt Google bei der Google Search Console ja einige Neuerungen hin.

Im Juli haben sie beispielsweise den Statistik-Report eingefügt, der einem unter anderem einen schnellen Überblick über die relevantesten Traffic-Veränderungen gibt.

Nun kommt mit den Custom Annotations ein weiteres Feature hinzu (Schau Dir hierzu unbedingt den Artikel meiner Kollegin Nadine in dieser Ausgabe an).

Stellt sich natürlich die Frage, was als Nächstes kommt? Die Antwort: Ein Branded Queries Filter, der – wie der Name schon vermuten lässt – Marken-Suchanfragen herausfiltert. Perfekt für den Vergleich von Brand Awareness vs. organischem Wachstum: Auszug aus der Google Search Console, bei der man bald im Query-Filter auch nach "Branded queries" und "Non-branded queries" filtern kann.

Das “Besondere” daran:

Keine RegEx also? Nein, nein… Die Erkennung von Brand vs. Non-Brand erfolgt stattdessen über ein internes, KI-gestütztes System, das auch gleich sämtliche Rechtschreibfehler, andere Sprachen und eindeutige Markenprodukte umfasst. Oder es zumindest soll…

Ein Filter, der mithilfe von KI funktioniert. Mmh ja, mir läuft es auch schon eiskalt den Rücken herunter.

Was soll da schon schiefgehen?

Frage an ChatGPT: Wie häufig kommt der Buchstabe "e" im Wort "Erdbeertorte" vor.
Antwort von ChatGPT: Im Wort „Erdbeertorte“ kommt der Buchstabe „e“ 2-mal vor.

Gut, genau genommen ist das natürlich keine gigantische Veränderung, bei der allzu viel kaputt gehen könnte. Und wenn es läuft wie geplant: Tolles und hilfreiches Feature!

Allerdings muss ich gestehen, dass es mir schon ein paar Schweißperlen auf die Stirn zaubert, wenn in der GSC (und auch darüber hinaus) künftig mehr und mehr KI zum Einsatz kommt. Zu groß ist die Skepsis und zu hoch die Fehlerquoten aktuell (noch).

Aber warten wir erst einmal ab. Noch ist das Feature ja gar nicht verfügbar. Es wird nämlich erst in den kommenden Wochen schrittweise eingeführt. Und wer weiß? Möglicherweise ist meine Sorge am Ende auch total unbegründet. Gerade am Anfang werde ich wohl einen ganz besonders kritischen Blick auf die Zahlen dort werfen.

Sandra Radtke
Sandra Radtke
Consultant
Accessibility-Overlay oder Prüfzeichen – beides geht nicht

Die BIK-Prüfstellen vergeben keine Prüfzeichen mehr für Websites, die Accessibility-Overlays einsetzen. Der Hintergrund ist, dass solche Overlays in den technischen Aufbau einer Website eingreifen und dabei Funktionen verändern können.

“Durch solche potenziellen Wechselwirkungen kann Konformität für eine Seite mit Overlay-Tool, auch wenn es im Default-Zustand bleibt, nicht sichergestellt werden.”

BIK entschließt sich zu folgender Festlegung:

  • BIK-Prüfstellen können für Websites, die ein Overlay-Tool nutzen, derzeit keine sichere Aussage zur Konformität gemäß EN / WCAG machen.
  • Entsprechend können BIK-Prüfergebnisse von Websites, die ein Overlay-Tool nutzen, nicht veröffentlicht werden.
  • Die Verwendung eines BIK-Prüfzeichens ist auf Websites, die ein Overlay-Tool nutzen, nicht möglich.”

Quelle: bitvtest.de

Was bedeutet das für Dich?

Über eine BIK Prüfstelle kannst Du Deine Website auf Barrierefreiheit prüfen lassen. Nutzt Du ein Accessibility-Overlay, bekommst Du jetzt aber nach dem Test kein Prüfzeichen mehr. Lässt Du Deine Website nicht überprüfen, bekommst Du – logischerweise – auch kein Prüfzeichen. Die Entscheidung von BIK hat daher für Dich vermutlich erstmal keine direkten Auswirkungen.

Aber…

Die Europäische Kommission (die den European Accessibility Act ausgearbeitet hat, auf dem das BFSG fußt) schreibt auf ihrer Website:

“Overlays, or any other tools which do not ensure the website itself meets the detailed criteria of the standard, are not an appropriate solution. It is best to fix accessibility issues at their source.”

Die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik, kurz BFIT-Bund (die Websites öffentlicher Stellen des Bundes in Deutschland testet), teilt aber die Einschätzung über Wechselwirkungen. Sie empfiehlt ebenfalls, keine Overlay-Tools einzusetzen.

  • “Aktuell sind Overlay-Tools nicht in der Lage, einen Webauftritt, der Barrieren aufweist, vollständig barrierefrei darzustellen.
  • Durch den Einsatz solcher Tools können weitere Barrieren im Webauftritt entstehen.
  • Overlay-Tools können eine schon vorhandene Barrierefreiheit verbessern, indem z. B. zusätzliche Kriterien der Konformitätsstufe AAA der WCAG erfüllt werden.”

Quelle: bfit-bund.de

Die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (die Deine E-Commerce-Website testen könnten) hat (noch) keine Aussagen zu Accessibility-Overlays veröffentlicht. Wahrscheinlich vertreten sie aber die gleiche Meinung.

Fassen wir zusammen

BIK vergibt keine Prüfzeichen mehr für Websites mit Accessibility-Overlay im Einsatz. Die Europäische Kommission und die BFIT-Bund raten vom Einsatz ab.

Was ist, wenn Du trotz allem weiterhin ein Accessibility Overlay auf Deiner ansonsten nicht barrierefreien Website einsetzt? Nun, damit positionierst Du Dich sichtbar als möglicher Fall mangelnder BFSG-Konformität. Und wenn ich jetzt Langeweile hätte oder mein Geld mit Abmahnungen verdienen wollen würde, dann könnte ich vielleicht auf die Idee kommen, mir einen Code- oder Text-Identifier eines Overlays rauszusuchen, den zu googlen und dann einer Website nach der anderen einen Brief schicken…

Nadine Klöschen
Nadine Klöschen
Consultant
Custom Annotations in der GSC verfügbar

Ich bin ja so eine Dokumentationstante. Für viele ist das ein nerviger Task; mir hingegen macht es Spaß, weil es mir ein Gefühl von Ordnung vermittelt.

Deshalb freue ich mich, dass jetzt Custom Annotations in der GSC möglich sind.

Ein Blick in den Performance-Report zeigt folgenden Hinweis:

Screenshot aus der Google Search Console mit englischem Text, der darauf hinweist, dass custom annotations hinzugefügt werden können.

Und so einfach funktioniert’s:

  • Öffne den Leistungsbericht in der Search Console.
  • Klicke mit Rechtsklick auf das Diagramm und dann auf “Add annotation”.

Screenshot aus der Google Search Console mit Text auf englisch, zu lesen ist "add annotation"

  • Wähle das Datum aus.

Screenshot aus der Google Search Console mit einem Auswahlfeld für das Datum und einem Freitextfeld.

  • Trage Deine Annotation ein (max. 120 Zeichen) und klicke auf “Add”.
  • Fertig!

Laut Google können pro Property bis zu 200 Custom Annotations hinzugefügt werden. Annotationen, die älter als 500 Tage sind, werden automatisch gelöscht.

Aber wann macht die Nutzung Sinn?

Typische SEO-Anlässe für Annotations können z.B. sein:

  • Google-Updates
  • Relaunch und/oder Migration
  • Größere Updates am Content (zum Beispiel Content-Pruning oder Liveschalten neuer Inhalte)
  • Neue SERP-Features
  • Neue Produkte (AIOs, AI-Mode)
  • Änderungen an der Website-Architektur
  • Und so weiter.

Aber auch die Dokumentation weniger SEO-zentrierter Ereignisse und/oder Themen können Sinn machen, z.B.

  • Feiertage oder Wetterbedingungen, die die Nachfrage beeinflussen.
  • (Brand) Aktivitäten anderer Kanäle (Influencer-Kooperationen, Fernsehsendungen, mehr Budget für Anzeigen).
  • Ungewöhnliche Ausschläge in der Performance, für die man vielleicht keine Erklärung hat.

Hast Du die neue Funktion schon genutzt?

Johan von Hülsen
Johan von Hülsen
Geschäftsführender Gesellschafter
Es hreflangt mir langsam.

HREFLANG ist ein Horror.

Das Konzept ist großartig.

Aber die Unzahl an Fehlerquellen und Missverständnissen: Es ist einfach unendlich.

Nicht umsonst haben wir das Thema regelmäßig hier im Newsletter:

Aber ich mag nicht mehr.

  • Dass die komplette Funktion von HREFLANG nicht innerhalb der GSC analysiert werden kann, damit habe ich mich abgefunden. Es ist ja auch nicht so kompliziert, mit Valentin.app Spot-Checks zu machen und mit Sistrix das große Ganze zu validieren.
  • Dass ich den Traffic bei funktionierendem HREFLANG nach Ländern und nicht nach URL analysieren muss, kann ich akzeptieren.
  • Dass ich bei jeder Implementierung Fehler finde, weil nicht existierende Länder, Sprachen oder URLs verlinkt werden, die Rückbezüge nicht stimmen, oder noch etwas kaputt gemacht wird: Das ist ja noch nicht mal ein Bug, sondern eine Maßnahme zur Beschaffung von Consulting-Budget.

Aber: Google ist in den letzten Jahren immer zickiger geworden, was die inhaltliche Übereinstimmung des Contents angeht.

  • Wenn de-de einen zusätzlichen Content-Block hat, den de-at nicht hat, dann erkennt Google das Duplikat nicht mehr.
  • Wenn de-ch ein Wort austauscht, das in de-de nicht angepasst ist, dann funktioniert es nicht mehr.
  • Und der aktuellste Fall: Durch Unterschiede im Cookie-Banner hat Google die Dokumente nicht mehr zusammengefasst.

Dieses Instrument ist einfach nicht mehr funktional.

Der Zweck von HREFLANG ist es, Variationen zwischen Länderversionen sicherzustellen.

Aber dieser Zweck wird nicht mehr erfüllt, wenn minimale Unterschiede im Content schon dazu führen, dass Google die Dokumente separat indexiert. Denn wenn das passiert, ist nicht mehr sichergestellt, dass der User die richtige Version sieht.

Dieser Zweck wird auch nicht mehr erfüllt, wenn wir daran glauben, dass ChatGPT mehr Volumen der Suche übernimmt. Für Google ist das Problem theoretisch noch lösbar. ChatGPT hat jedoch keine Chance, HREFLANG ohne eigenen Index vernünftig zu implementieren. Vor allem, wenn die Query-Fanout-Anfragen nicht regionalisiert werden.

So funktioniert das HREFLANG nur mit sehr hohem Aufwand. Und das wiederum muss sich business-seitig lohnen. Und wenn trotz Aufwand keine individuelle Ansprache funktioniert, sollte das dann der Tod für lokalisierte Landingpages sein?

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