Wirklich wahres Wingmen SEO Wissen f├╝r wache Webmarketer #95
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Florian Stelzner
Florian Stelzner
Gesch├Ąftsf├╝hrender Gesellschafter
­čĹ┤­čĆ╗ 10 PRINT "SEO" ÔćÁ 20 GOTO 10 ÔćÁ RUN ÔćÁ

Hach, als 80er-Jahre-Vollnerd bekomme ich fast schon eine G├Ąnsehautentz├╝ndung, so sch├Ân finde ich die ├ťberschrift. Falls Du sie nicht verstehst... sieh es mir bitte nach, ich bin alt, daf├╝r verstehst Du dann ggf. auch nicht die nun folgende ├ťberleitung (├Ątsch!): so gar nicht Basic war die letzte Woche.

Endlich war mal wieder SMX-Zeit angesagt. Zum zweiten Mal virtuell und dieses Mal quasi schon routiniert auf allen Seiten. Dieses Corona hat deutliche Verbesserungen in der virtuellen Meeting-Landschaft mit sich gebracht.

Als Moderator des PPC/SEA-Kanals durfte ich ein professionelles Setup nach dem N├Ąchsten bestaunen. Fachlich waren die Vortr├Ąge mal wieder hervorragend! Man hatte das Gef├╝hl eine Privatschulung zu erhalten. Sehr genial, obgleich das Konferenzknuddeln und Rudel-Smalltalken in den Pausen nat├╝rlich fehlt. Die Moderatoren-Sicht der SMX kannst Du ├╝brigens hier im SEMrush-Talk organisiert von Astrid Kramer ansehen.

Meine Key-Learings zum immer wieder hinter die Ohren schreiben: 

  1. Die anderen kochen auch nur mit Wasser 

  2. Google ist schon l├Ąngst nicht mehr der einzige Startpunkt im Internet

  3. Nutzer wollen nicht mehr "billig online kaufen" sondern wollen "das Beste"

Und so war die Woche f├╝r andere Wingmenschen:

  • Behrend bibbert baldiger Beendigung von Universal Analytics entgegen

  • Hannah restrukturiert sich die SMX

  • Matthias zeigt, dass er es nach 2 Wochen Wingmensch sein schon besser kann

  • Anita mixt im Char Salat (evtl. ein SMX-Rezept vom Hanns?)
    und

  • Andreas erz├Ąhlt uns die Geschichten vom emsigen Google News Publisher

Viel Spa├č beim Lesen, Deine Wingmen

Was wir gelesen haben
Behrend von H├╝lsen
Behrend von H├╝lsen
Consultant
In 3 Monaten ist der Year over Year Universal Analytics Sunset

Am 16.03.22 hat Google bekanntgegeben, was wir schon seit einer Weile erwarten. Das Sunset Datum f├╝r Universal Analytics (aka das "alte" Google Analytics): Ab dem 01.06.2023 werden keine Tracking Daten mehr verarbeitet. Danach werden die Properties mindestens noch ein halbes Jahr einsehbar sein.

Wenn Du also in Deiner Webanalyse gerne Year-over-Year-Vergleiche machen willst, musst Du sp├Ątestens am 01.06.2022 Daten in ein Neues Setup einlaufen lassen. Das ist Morgen in 10 Wochen. Wenn man die von Krista Seiden vorgeschlagene Projekt Timeline annimmt, sind es auch 10 Wochen bis die Implementierung steht. Du solltest also sp├Ątestens HEUTE Anfangen Dich darum zu k├╝mmern.

Wenn Du sowieso gerade mit Google Analytics haderst und mit Blick auf den Datenschutz ├╝berlegst, auf eine andere Webanalyse-L├Âsung umzusteigen, ist das vielleicht der Grund, endlich aktiv zu werden. Welche M├Âglichkeiten hast Du?

Die Liste der Webanalyse Tools ist lang:

GA4, Mapp (ehemals Webtrekk), Fathom, Webtrends, Microsoft Clarity, Hotjar, Etracker, Adobe Analytics, PiwikPro, Matomo (aka Piwik(?!Pro)), OWA und viele, viele mehr. Die Reihenfolge dieser Aufz├Ąhlung ist ├╝brigens von mir aktiv randomisiert und enth├Ąlt keine Wertung.┬á

Welches davon das richtige ist, h├Ąngt nat├╝rlich von Deinen Bed├╝rfnissen ab. Zu GA4, Matomo und Etracker k├Ânnen wir aufgrund aktueller Erfahrungen Folgendes sagen:

GA4

Google pr├Ąsentiert als Nachfolger f├╝r UA nat├╝rlich das neue Google Analytics 4.

GA4 hat eine Menge Vorteile, die Martijn Scheijbeler auf Twitter mal umfangreich aufgelistet hat, aber leider gibt es auch eine Menge berechtigte Contra-Argumente. Diese hat Micah Fisher-Kirshner auf Twitter sch├Ân zusammengetragen.

Dabei ist das Thema Datenschutz noch gar nicht erw├Ąhnt. Die europ├Ąische Rechtsprechung l├Ąuft zum Thema schlie├člich aktuell unter Volldampf. Ich denke, zumindest im Zusammenspiel mit Server Side Tagging sollte es aber langfristig m├Âglich sein, ein datenschutzkonformes Tracking in GA4 umzusetzen.

Matomo

Matomo haben wir seit ein paar Jahren selbst im Einsatz. In der Auswertung ist Matomo ohne Zweifel unkomfortabler als Google Analytics, aber es hat auch Vorteile:

  • Ein Integriertes Tag Management (kann mit dem Google Tag Manager nat├╝rlich nicht mithalten, ist aber f├╝r den "Hausgebrauch" v├Âllig ausreichend).

  • Man kann es komplett selbst hosten und out of the Box ein cookiefreies Tracking einsetzen - f├╝r sorgenfreies Datensch├╝tzen.

Um Marketing-Kampagnen zu steuern und Zielgruppen zu bilden oder ├Ąhnliches, ist Matomo definitiv nicht das Tool der Wahl. Aber wer nur grob seine Traffic-Quellen im Blick haben und wissen will, welche Landingpages funktionieren, der hat mit Matomo eine L├Âsung.

Etracker

Vor kurzem durfte ich einer Produktvorstellung von Etracker beiwohnen und war positiv ├╝berrascht:

  • Die Auswertungsm├Âglichkeiten bieten so ziemlich alles, was man sich w├╝nscht

  • Als Hamburger Unternehmen mit Servern in der EU sind die Daten sicher in der EU (Stichwort: FISA)

  • Plugins f├╝r diverse CMS erm├Âglichen einfache Implementierungen

  • ein erg├Ąnzendes cookiefreies Session-Tracking

Ob die positive ├ťberraschung in der Praxis auch eine positive Erfahrung bleibt, muss Etracker aber noch zeigen.

Wie oben erw├Ąhnt, gibt es noch Unmengen weiterer Anbieter und durch die Anforderungen von DSGVO & Co wird der Markt wahrscheinlich nachhaltig durchgewirbelt. Es lohnt sich sicherlich, die Entscheidung, wie es nach Universal Analytics weitergeht, gut zu planen.

Hannah Rohde
Hannah Rohde
Junior Consultant
Unstrukturierte SMX Review rund um strukturierte Daten und noch mehr

Zwei spannende Tage auf der SMX liegen hinter mir und ich werde Euch die n├Ąchsten Ausgaben wohl noch das ein oder andere Mal mit Infos davon f├╝ttern.

Der Start am Mittwoch ging mit Philipp Kl├Âckner und seinem Vortrag "The Unbundling of Search" gut los. Was ich mir als Hauptpunkt mitgenommen habe: die organische Suche nimmt immer weiter ab, da die Nutzer zunehmend eigene Apps nutzen┬á und entsprechend direkt bei Amazon, AirBnB oder Booking suchen statt bei Google. Auch Social Media mit Instagram und TikTok d├╝rfen wir nicht au├čer Acht lassen mit unz├Ąhligen Affiliate Links direkt zu Produkten und Angeboten, ohne dass die Nutzer ├╝berhaupt gesucht h├Ątten.

Erst war ich schockiert, da ich beispielsweise gar keine "extra" Apps wie Booking, AboutYou o.├ä. habe und eine Suche fast immer ├╝ber Google starte. Aber man soll ja nicht nur von sich ausgehen - und dann fiel mir meine 15-j├Ąhrige Nichte ein, die ausschlie├člich TikTok zu nutzen scheint. Je mehr ich dar├╝ber nachdenke, desto mehr Beispiele fallen mir ein von Personen, die sehr viel weniger googeln als ich.

Hab ich nun "Angst um meinen Job"? Nein. Denn ich wei├č ja, warum ich bei Google starte und nicht in einer App oder auf einer Website. Die meisten Apps und Websites sind f├╝r meinen Geschmack zu schlecht, nicht nutzerfreundlich und ich w├╝rde niemals finden, wonach ich suche.


Ein weiterer spannender Vortrag war der ├╝ber strukturierte Daten von Julian Dziki (Seokratie). Er hat die wichtigsten Basics erkl├Ąrt und anschlie├čend die oft gestellte Frage diskutiert, ob denn nun die Markups nach schema.org ein Rankingfaktor sind oder nicht. Daf├╝r hatte Julian ein spannendes Beispiel von Amazon in petto: ein ausgesprochen ansprechendes Snippet inkl. Preisangabe, Bewertungen und noch mehr - und trotzdem war KEIN Markup hinterlegt.

Auch ich sehe immer mal Snippets, die aussehen, als m├╝sste ein Markup hinterlegt sein, bei dem das aber nicht der Fall ist. Ich bin dann immer ein bisschen begeistert und beleidigt zugleich... Toll, es funktioniert auch ohne! Mist, wieso sollte man sich die M├╝he machen, Markup einzubauen, wenn es gar nicht notwendig ist, weil Google sich stetig verbessert? Die Antwort ist ganz einfach: Die Markups geben Sicherheit. Sie sind der doppelte Boden. Noch sollten wir uns nicht darauf verlassen, dass Google die Elemente allein anhand der Inhalte korrekt interpretieren kann.

Mit einem Markup nach schema.org ├╝bergeben wir unsere Daten strukturiert und genau in dem Format an Google, das gew├╝nscht ist und von dem wir sicher sein k├Ânnen, dass es verstanden und ausgelesen wird.

Au├čerdem k├Ânnen wir im Markup ja auch Beziehungen verdeutlichen, die sonst ├╝ber die Seite hinweg gar nicht so deutlich w├╝rden - aber mehr zu einer umfangreichen Strategie rund um den Einsatz von strukturierten Daten in einem anderen Beitrag demn├Ąchst ­čśä

Julian hat das Produkt mit auff├Ąlligem Snippet ohne Markup im Auge behalten und festgestellt, dass von einem auf den anderen Tag die zus├Ątzlichen Angaben im Snippet weg waren und ein Mitbewerber stattdessen ein entsprechendes Snippet durch ein entsprechendes Markup erzielen konnte. Ich erinnere an das Netz mit doppeltem Boden ;)

Das scheint auch Amazon nicht entgangen zu sein, das mit einem Product Markup nachjustierte. Dieses wurde ziemlich rudiment├Ąr gepflegt, weshalb Julian es dann mit einem sehr ausf├╝hrlichen Markup von Idealo verglichen hat. Ich w├╝rde Dir jetzt sooo gerne ein paar Seiten sagen, wo Du dir mal die strukturierten Daten anschauen kannst als absolut tolle Beispiele, was ich aus Verschwiegenheitsgr├╝nden leider nicht darf - aber sollte der ein oder andere Kunde von mir mir daf├╝r mal ein Go geben, werde ich Dir begeistert berichten :)

Julian und ich sind uns jedenfalls einig: nutze die strukturierten Daten, hinterlege Markups f├╝r Deine Produkte, Angebote und Blog Postings. Zeichne aus, was Du hast und kannst!


Ein weiterer Vortrag, der mich nachhaltig ergriffen hat, ist der von Jens Fauldrath ├╝ber Publisher SEO. Auch ich betreue ein paar Publisher und konnte ihm nicht bei allen Punkten zustimmen. Deshalb werde ich nun ein paar Aspekte mehr im Auge behalten und selbst Tests erstellen, um seine Aussagen zu validieren oder ihm dann widersprechen zu k├Ânnen. Es bleibt also spannend.

Auf jeden Fall hat auch Jens ├╝ber strukturierte Daten referiert und ich war am Ende etwas frustriert, dass einige seiner Best Practices sich ziemlich mit dem ├╝berschneiden, was ich vor einiger Zeit f├╝r einen Kunden ausgearbeitet habe und gerade mitten im Rollout steckt. Denn nun werden wohl einige Publisher ├Ąhnlich verfahren, zumindest wenn sie Jens Rat folgen. Aber eine sch├Âne Best├Ątigung ist es nat├╝rlich auch.

Einig sind Jens und ich uns zum Beispiel darin, dass man nicht nur die Standard-Markups, Pflichtangaben und empfohlenen Attribute nutzen und pflegen sollte. Gehe tiefer mit Deinen Angaben, schaffe Verbindungen zwischen Deinen Produkten und Seiten, probier auch mal Attribute, die Deine Marktbegleiter nicht nutzen, und sei mutig!


Im Bereich der Structured Data ist ├╝brigens noch mehr passiert: Schema.org Release 14.0 ist da! Besonders erw├Ąhnenswert: die neue Angabe von hasAdultConsideration, anwendbar auf Product und Offer, sowie die isFamiliyFriendly-Angabe, die nun ebenfalls auf die beiden anwendbar ist. Ich freue mich immer, wenn das Internet ein St├╝ckchen sicherer und transparenter wird.

Zudem hat sich einiges rund um das Organization-Markup ergeben. Du kannst nun endlich (!) - an dieser Stelle ein kurzer, virtueller Trommelwirbel (mit einem Hauch von verdrehten Augen) - eine Organization als OnlineBusiness und einen Store als OnlineStore auszeichnen. Ich wei├č gar nicht, welcher Emoji passender w├Ąre "Juhu!" oder "OMG, das wurde aber auch Zeit" - sag Du's mir!

Matthias P├╝lz
Matthias P├╝lz
Trainee
SMX M├╝nchen Review: Das k├Ânnen wir besser - Ein strategischer Blick auf die Website-Qualit├Ąt (Jono Alderson)

Deine Webseite ist so langsam, dass Du Dir w├Ąhrend des Ladens noch einen Kaffee machen kannst? Halb so wild, schlie├člich bist Du ein gro├čes Unternehmen und musst Dir ├╝ber solche Kleinigkeiten keine Gedanken machen, richtig? ­čśä Falsch! ­čĺÇ

Die Performance Deiner Seite ist n├Ąmlich wichtiger, als Du denkst. Immerhin h├Ąngt sie eng mit der Qualit├Ąt Deiner Seite zusammen und wenn eines klar ist, dann dass Google inzwischen immer mehr Wert auf Qualit├Ąt als Rankingfaktor legt. Das bedeutet zwar nicht, dass Dich eine schnellere Seite automatisch auf Platz 1 der Suchergebnisse katapultiert, aber ohne diese Basis steht Dein Internetauftritt auf einem wackeligen Fundament. Dann bleibt nur zu hoffen, dass nicht bald ein starker Windsto├č in Form eines neuen Google-Speed-Updates kommt und Deine Webseite wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen l├Ąsst.

Ausreden f├╝r eine schwache Performance der eigenen Seite gibt es viele: Von mangelnder Zeit ├╝ber fehlendes Know-how bis hin zu fehlender Relevanz der Core Web Vitals ist alles vertreten. Dabei ist es meist gar nicht so schwer, etwas an der Ladezeit zu verbessern... Daf├╝r gibt es inzwischen sogar Tools, die einem vorschlagen, was man besser machen kann. Jedenfalls, wenn man bereit ist, ein wenig Zeit in dieses Thema zu investieren.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass Google - wie die letzten Updates zeigen - zunehmend gesteigerten Wert auf die Nutzererfahrung legt, solltest Du langfristig planen und nicht den Zug verpassen, schon heute an Deiner Performance zu feilen. Sonst stehst Du bald mit Deinen Produkten oder Dienstleistungen am leeren Bahnhof, w├Ąhrend Deine Konkurrenz in der ersten Klasse die F├╝├če ausstreckt.

Was kannst Du tun?

  • Strebe nach Perfektion: Was im ersten Moment wie ein Motivationsspruch auf einer Kaffeetasse klingt, ist aus Jono Aldersons Sicht ein wichtiger Ma├čstab in Bezug auf die Performance. Auch wenn Du nat├╝rlich nie eine perfekte Seite erreichen wirst: Du solltest seiner Meinung nach zumindest versuchen, so nah wie m├Âglich heranzukommen. Denn auch, wenn es sich hart anh├Ârt: Mit Platz zwei bist Du schon der erste Verlierer.

  • Behalte die Performance immer im Blick: Es reicht leider nicht, einmal daf├╝r zu sorgen, dass die Core Web Vitals im gr├╝nen Bereich sind und sich dann f├╝r die n├Ąchsten Jahre entspannt zur├╝ckzulehnen. Google f├╝hrt regelm├Ą├čig Updates durch und was heute noch in Ordnung war, kann Dich morgen schon Dein Ranking und Deinen Umsatz kosten.

  • Unternimm etwas: Entweder Du nimmst die Angelegenheit selbst in die Hand oder Du suchst dir jemanden von au├čerhalb, der das Ganze f├╝r Dich ├╝bernimmt. Wichtig ist nur, dass es ├╝berhaupt jemand macht!

Welche Tools eignen sich am besten f├╝r eine ideale Performance?

  • WordPress und Shopify sind bei den CMS ganz vorne dabei.

  • App Stores: AMP und Bento

  • Publishing & Optimierungs Suite: Yoast

  • Telco infrastructure: Cloudflare

Immer noch nicht ├╝berzeugt? Dann hab ich hier noch einen kleinen "Fun Fact" zum Abschluss: Wusstest Du, dass Du laut einer Studie mit gerade einmal 0,1 Sekunden weniger Ladezeit bis zu 10% mehr Kunden bekommen kannst? Das musst Du dir mal auf der Zunge zergehen lassen: 10% mehr Kunden durch eine Verbesserung der Ladezeit um gerade einmal 0,1 Sekunden! Zur Erinnerung: Das ist k├╝rzer als ein Wimpernschlag und kann am Ende ├╝ber Deinen Erfolg entscheiden.

Deshalb lieber gestern als heute um die Performance Deiner Seite k├╝mmern! Denn Du wei├čt ja: Platz zwei ist schon der erste Verlierer.

Anita B├Âhm
Anita B├Âhm
Consultant
Char Salat

In den letzten Wochen hat mich das Thema UX bei Twitter verfolgt. Wenn das mal kein Zeichen ist, auch hier wieder ein paar Worte dazu loszuwerden.

Los ging es mit einem Tweet von St├ęphanie Walter, der sich auf diesen Post von ihr bez├╝glich Sonderzeichen bezog. Grundlage daf├╝r ist St├ęphanies Vortrag

"about user experience and how encoding and database decisions about formats and characters can create an awful experience."

Denn Probleme bedingt durch Sonderzeichen sind nicht nur super nervig, sondern k├Ânnen noch eine ganze Reihe negativer Folgen nach sich ziehen.

Das weckt bei mir Erinnerungen an meine Reise nach New York zur SES vor 10 Jahren. Egal wo ich mich eingecheckt habe - im Hotel, auf der Konferenz, usw. - es war immer wieder spannend herauszufinden, was aus dem "├Â" in meinem Nachnamen geworden war.

"It's an awful experience to almost miss a flight because the name on your passport doesn't match the name on your boarding pass."

Das ist mir bisher - zum Gl├╝ck - tats├Ąchlich noch nie passiert, auch wenn ich demn├Ąchst mal wieder unter dem Namen "Bohm" in ein Flugzeug steigen und wie immer Angst haben werde, dass doch noch jemand sagt: In Ihrem Ausweis steht aber was anderes!

St├ęphanie erkl├Ąrt, was zum Beispiel bei Online-Formularen alles schief laufen kann. Von der Validierung ├╝ber die Darstellung und Codierung bis hin zu m├Âglichen Konsequenzen im echten Leben. (und Heiko zeigte mir, dass die Missverst├Ąndnisse ├╝ber Namen noch gr├Â├čer sind, als man gemeinhin annehmen w├╝rde.)

Validierung

Die erste H├╝rde, die es beim Ausf├╝llen eines Online-Formulars zu nehmen gilt, ist die Validierung der Eingabe. Mit einem ├ę, ├ oder anderen Spezialf├Ąllen kann es durchaus vorkommen, dass der Name in der Form einfach nicht validiert wird, da diese Zeichen nicht zul├Ąssig sind. St├ęphanie zeigt im Video etwa ab Minute 1:30 eine Reihe von Fehlermeldungen, die eigentlich ganz unterhaltsam w├Ąren, w├Ąre das zugrunde liegende Problem nicht so doof.

Also Achtung, wenn Du selbst irgendwo auf Deiner Website eine Eingabe validierst, fasse da die Regeln entsprechend breit genug!

Darstellung

Im Anschluss geht es weiter mit dem Thema Schriftarten. Die sind nat├╝rlich essentiell f├╝r eine korrekte Darstellung. Schade nur, wenn im genutzten Font nicht alle erforderlichen Zeichen existieren. Bei uns gibt es ja im Normalfall nur wenige Ausnahmen vom regul├Ąren A-Z - ├Ą, ├Â, ├╝ und ├č. Es gibt aber sehr viele andere Sprachen, in denen es noch zahlreiche weitere Besonderheiten gibt, zum Beispiel im Franz├Âsischen, Griechischen oder in slawischen Sprachen.

Hier muss also schon beim Design der Website daran gedacht werden, dass und welche Zeichen die verwendete Schriftart abdecken sollte.

Encoding

Aber nicht nur bei der Darstellung im Frontend m├╝ssen Sonderzeichen korrekt verarbeitet werden. Auch bei der Verarbeitung im Backend kommt es zu Problemen. Selbst wenn eine Applikation sich um die korrekte Darstellung von Emojis gek├╝mmert hat, fallen non-ASCII-Buchstaben h├Ąufig doch noch durchs Raster - auch wenn man annehmen k├Ânnte, dass in Zeiten von UTF-8 so etwas nicht mehr vorkommen sollte. Und sp├Ątestens wenn eine Zeichenfolge von mehreren Systemen nacheinander verarbeitet wird, kommt es bei der Konvertierung immer wieder zu Fehlern.

Folgen

Okay, ein paar Zeichen werden nicht akzeptiert oder k├Ânnen nicht richtig dargestellt werden. Ist das wirklich so schlimm? Na gut, mit einem Konferenz-Badge, wo der Name nicht ganz passt, kann man sich vielleicht noch irgendwie arrangieren. Aber es kann tats├Ąchlich auch gr├Â├čere Folgen haben.

  • Paket kommt nicht an

  • Offizielle Dokumente k├Ânnen nicht auf den richtigen Namen ausgestellt werden

  • Fl├╝ge finden unter einem anderen Namen statt mit potenziellen Problemen bei der Kontrolle am Flughafen

  • Der Impfnachweis wird nicht in der passenden App ausgegeben

  • Visa-Antr├Ąge k├Ânnen nicht bearbeitet werden

St├ęphanie bemerkt zum Ende hin: In einer globalisierten Welt, in der Menschen sich bewegen, ist es erforderlich, die Bed├╝rfnisse und Anforderungen dieser Menschen ├╝ber die von Datenbanken und 400 Jahre alten Druckern zu stellen.

Und was hat das jetzt mit SEO zu tun?

Einiges!

Denn wir wissen ja, dass die User Experience auch f├╝r Suchmaschinen wie Google sehr wichtig ist. Und auch in unserer t├Ąglichen Praxis gibt es einige konkrete F├Ąlle, wo wir genau aufpassen sollten, dass und wie wir mit bestimmten Zeichen umgehen. Ein paar Beispiele:

  • Keyword-Targeting bei Umlauten

  • Invalide XML-Dateien mangels Einsatz von UTF-8

  • Invalider Product-Feed, da Sonderzeichen nicht escaped

  • Fehlerhafte Titles und Descriptions, die Google dazu bewegen, eigene Snippets zu bauen

  • Kaputte URLs durch Probleme bei der Umwandlung

Und was ist Deine Erfahrung mit Buchstabensalat?

Andreas R├Âne
Andreas R├Âne
Consultant
Die Geschichte eines News Publishers, seiner Sitemaps und einem Informatikstudium

Als Johan und ich am Donnerstagabend ├╝ber das ein oder andere Probleme eines News Publishers und seiner Sitemaps philosophierten, sind wir auf eine interessante Problematik gesto├čen:

Der Publisher, eine regionale Tageszeitung, wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts gegr├╝ndet und publiziert seine Artikel seit dieser Zeit, in dieser Tageszeitung. Dieses Newsarchiv ist auch online verf├╝gbar.

Jetzt wird es spannend! Nehmen wir z. B. einen Artikel vom 03.03.1968, welches Datum w├╝rdest Du der URL in der Sitemap als LastMod geben? Das Datum als der Artikel im original publiziert wurde? Oder das Datum als der Artikel online verf├╝gbar gestellt wurde?

Warum wir uns diese Frage stellen m├╝ssen? In der Analyse der Sitemaps unseres Kunden zeigten sich vermehrt Fehler mit ung├╝ltigen Datumswerten in der LastMod-Angabe. Als wir uns die Werte anschauten f├╝hlte ich mich sofort wieder in den Informatikkurs "Informatik 1" zur├╝ckversetzt. In diesem Kurs ging es vor allem um Speicherverwaltung, unterschiedliche Datentypen und wie der Computer mit diesen unterschiedlichen Datentypen umgeht. So unterscheidet der Computer z.B. zwischen Datentypen f├╝r Zeichen und Datentypen f├╝r Zahlen. Mit Datentypen f├╝r Zahlen kann der Computer unter anderem Rechnen, also Variable A + Variable B = Ergebnis. Dies geht mit Datentypen f├╝r Zeichen nicht. Zus├Ątzlich gibt es weitere Untertypen. Je nachdem aus welchen Wertebereichen ich Zahlen speichern muss: Der Datentype "Word" speichert auf einem 32 Bit- System Zahlenwerte zwischen 0 und 232-1. Den Datentype "Integer" kann ich hingegen nutzen, wenn ich auch negative Werte speichern m├Âchte (Wertebereich: -231..231-1).

Was das alles mit unserem Artikel der Tageszeitung vom 03.03.1968 zu tun hat? Dazu mu├č ich Dir noch erkl├Ąren, wie der Computer Datumswerte und speziell den 03.03.1968 speichert:

Viele Server im Internet arbeiten mit dem Betriebssystem Linux. Auf diesen Computersystemen werden Datumswerte als so genannter Unix-Timestamp gespeichert. Berechnet wird ein Datum einfach als Anzahl Sekunden seit dem 01.01.1970. Das Publikationsdatum unserer heutigen Newsletterausgabe w├╝rde also den Timestamp 1645511400 tragen. Nach dieser Logik ergibt der Timestamp f├╝r den 03.03.1968 den Wert -57805200000. Dies ist nach Linux- & Unix-Definition ein g├╝ltiger Wert. Jedoch scheint Google f├╝r die Verarbeitung des Datenfeldes "LastMod" ein "Word"-Datentype zu nutzen und kann hier keine negativen Werte akzeptiert. Das fr├╝hestm├Âgliche Datum f├╝r die LastMod-Angabe einer URL kann damit der 01.01.1970 00:00:00 Timestamp 0 sein, bevor Google das Datum als fehlerhaft ausgibt.

Dies stellt Newspublisher mit Archiven und Artikeln, die vor dem 01.01.1970 erschienen sind, vor die Herausforderung, dass diese Publisher ggf. ein zus├Ątzliches Datenfeld ben├Âtigen, um ein Publikationsdatum in einer Sitemap bereitstellen k├Ânnen.

Mit dieser These bewaffnet hatte ich dann am selben Abend noch eine Test-Sitemap auf einem privaten Projekt aufgesetzt und diese bei Google und Bing eingereicht. Ich wollte meine These best├Ątigen. Und siehe da: Bei Google l├Ąsst sich das erste valide Datum genau auf den 01.01.1970 legen, wohingegen Bing vorbildlich auch mit ├Ąlteren Datumswerten vor dem 01.01.1970 umgehen kann.

In meinen Recherchearbeiten zu diesem Artikel bin ich dann wieder an eine Problematik erinnert worden, die mit dem Unix-Timestamp in Verbindung steht. K├Ânnt Ihr Euch noch an das Jahr 1999 erinnern? Das Jahr 2000 stand bevor und die Welt hielt den Atem an, ob unsere Computer dieses Datum ├╝berstehen w├╝rden oder Raumstationen vom Himmel fallen, wir kein Geld mehr am Geldautomaten bekommen und die Welt untergeht. Alles Fragen, auf die man r├╝ckblickend schmunzeln kann.

Aber die Datumsthematik unseres Publishers hat Mal wieder gezeigt: Bei Datumsangaben kann man nie vorsichtig genug sein. Man wei├č ja nie.

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