Wirklich wahres Wingmen SEO Wissen fĂŒr wache Webmarketer #192
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Nora Tiedemann
Nora Tiedemann
Junior Consultant
🐌 SĂŒĂŸe SEO-Schnecken

Wenn es draußen so grau und dunkel ist, wie die letzten Tage in Norddeutschland, möchte ich mich am liebsten mit einem HeißgetrĂ€nk aufs Sofa kuscheln. đŸŒŹïž Mir macht diese Jahreszeit einfach so semi-viel Spaß und ich verstehe alle, die zu dieser Jahreszeit in die Sonne flĂŒchten. đŸïž

Falls es Dir auch so geht – durchhalten – bald ist FrĂŒhlingsanfang.đŸŒ·

Um Dir die Zeit bis zum FrĂŒhling zu versĂŒĂŸen, habe ich diese Woche:

  • Nussschnecke Jolle und verwirrenden Ranking-Schwankungen đŸ„œ
  • Zimtschnecke Nora und die Frage, ob TikTok eine Suchmaschine ist đŸ„ź
  • Apfelschnecke Philipp und Googles Leidensdruck durch Social Media 🍎
  • Karamellschnecke Johan und viele FahrrĂ€der 🍯
  • KĂ€seschnecke Nadine und ein blaues Auge fĂŒr Google
  • Und zum Abschluss, die sĂŒĂŸe VerkĂŒndung des SEOkomm-Ticket-Gewinnenden đŸ„

Viel Spaß beim Lesen âŁïž

Deine Wingmenschen

Was wir gelesen haben
Jolle Lahr-Eigen
Jolle Lahr-Eigen
Consultant
Weniger Klicks bei besserem Ranking?

Bei der Analyse von SEO-Metriken stolpern wir hĂ€ufig ĂŒber Zahlen, die aufhorchen lassen, weil sie der eigenen Intuition widersprechen. Ein Beispiel?

Mediamarkt konnte sowohl mit der URL fĂŒr das Keyword [ps5] als auch mit der fĂŒr [fitbit] zwischen Januar 2023 und Januar 2024 laut Sistrix eine Position innerhalb der Top 10 gutmachen. Beide haben dennoch an von Sistrix prognostiziertem Traffic verloren:

  • ps5: -22.314 Klicks

  • fitbit: -5.114 Klicks

Ranking und KlickverĂ€nderungen 30.01.2023 vs. 29.01.2024 fĂŒr die Keywords ps5 und fitbit bei Mediamarkt fĂŒr die URLs www.mediamarkt.de/de/category/playstation-5-konsolen-7857.html bzw. www.mediamarkt.de/de/brand/fitbit ps5: Positionsverbesserung von 3 auf 2 um 1, Klicksverschlechterung um -22.314 beim Suchvolumen von 490.000 fitbit: Positionsverbesserung von 5 auf 4 um 1, Klicksverschlechterung um -5.114 beim Suchvolumen von 137.000

Quelle: Sistrix Ranking-VerÀnderungen (aufsteigende Klicks)

Das scheint sich zu widersprechen.

Welche Ursachen könnte das haben?

Mögliche GrĂŒnde sind:

  • Sinkendes Suchvolumen: Weniger Suchen bedeuten weniger Besuche

  • VerĂ€ndertes SERP-Layout: Wurden die Pixel der Top-Treffer weiter nach unten verschoben oder die Suchanfrage direkt auf der Suchergebnisseite beantwortet?

  • VerĂ€nderte Suchintention: Bekommen zum Beispiel bei "Intent: Website"-Suchen die Herstellermarken einen Boost an Klickwahrscheinlichkeit?

  • VerĂ€nderungen beim Ergebnis, also dem Suchtreffer selbst

  • Bug im Reporting-Tool: Stimmt die Datenbasis? Fehler passieren...

Welche Thesen wollen wir ĂŒberprĂŒfen?

Einen Reporting-Bug können wir nicht analysieren und lassen ihn deshalb außen vor.

Dass sich die Suchintention komplett gewandelt hat, können wir ausschließen. Sonst hĂ€tten sich die URLs nicht im Ranking verbessert, sondern wĂ€ren von anderen verdrĂ€ngt worden.

Einen Branding-Boost könnten wir durchaus analysieren, indem wir weitere Marken-Keywords untersuchen. Allerdings gibt uns Sistrix Grund zur Annahme, dass sie nicht so tief ins Einzelergebnis reingehen, um die Klicks abzuschÀtzen, sondern sich an einer Kombination aus Suchvolumen und Position orientieren.

Aus diesem Grund haben wir uns auch den URL-Wechsel bei Mediamarkt nicht nĂ€her angesehen, der uns im Screenshot fĂŒr das ps5-Beispiel angezeigt wird. Wir gehen davon aus, dass Details zum rankenden Dokument selbst wie zum Beispiel Title, Description oder der Inhalt auf der Seite selbst nicht in die Berechnung der Klickwahrscheinlichkeiten einfließen, obwohl sie natĂŒrlich durchaus Einfluss darauf haben. Schließlich ist die Snippet-Optimierung hĂ€ufig ein mĂ€chtiger Hebel und dass Google aus dem Nutzerverhalten RĂŒckschlĂŒsse auf die NĂŒtzlichkeit der Inhalte zieht, wissen wir auch.

Was aber durchaus spannend ist, sind die zwei Thesen zum Suchvolumen und zum SERP-Layout.

Liegt's am SERP-Layout?

Vergleichen wir also die Suchergebnisseite vom 30.01.2023 mit der vom 29.01.2024 bei Sistrix und zĂ€hlen die Pixel durch: Mediamarkt ist in der [ps5]-Ergebnisseite sogar rund 1.000 Pixel nach oben geklettert. Und zwar nicht wegen des besseren Rankings, sondern weil die Newsbox nach unten gerutscht ist. Zu beiden Zeitpunkten gab es große Google-Shopping-Einbindungen ganz oben auf der Seite, daran hat sich nichts geĂ€ndert.

Auch zu [fitbit] ist Mediamarkt nach oben gerutscht. Nicht nur nach Positionen, sondern auch nach Pixeln. Letztes Jahr wurden noch "People also ask"-Boxen, ein Knowledge-Panel und ein Appstore oberhalb von Mediamarkt ausgespielt, dieses Jahr passierte nichts dergleichen.

Sistrix SERP-Layout zum Keyword [fitbit] am 30.01.2023. Der Mediamarkt-Treffer an Position 3 startet erst bei 2019 Pixeln auf dem mobilen Display. Davor kommen ein organisches Ergebnis mit Sitelinks von fitbit.com, eine "Nutzer fragten auch"-Box, ein organisches Ergebnis von amazon.de, ein Knowledge-Panel und eine Appstore-Einbindung. Quelle: Sistrix SERP-Layout zum Keyword [fitbit] am 30.01.2023

Wenn das SERP-Layout Einfluss auf die Sistrix-KlickschĂ€tzungen gehabt hĂ€tte, hĂ€tten sich diese verbessern mĂŒssen. Dieser ErklĂ€rungsansatz fĂ€llt also weg.

Oder doch am Suchvolumen?

Sistrix lĂ€sst uns das Suchvolumen auch ĂŒber die Zeit zurĂŒckverfolgen. So sind die durchschnittlichen monatlichen Suchen fĂŒr [ps5] um 23.000 zurĂŒckgegangen, die fĂŒr [fitbit] um 6.000.

Ăž mtl. Suchvolumen laut Sistrix im Januar 2023 vs. Januar 2024:   
ps5 513.000 vs 490.000, Delta: -23.000
fitbit 143.000 vs. 137.000 Delta: -6.000

Quelle: Sistrix Suchvolumen

Das passt ziemlich gut zu unseren Klickverlusten, die wir oben festgestellt haben:

  • ps5: -22.314 Klicks

  • fitbit: -5.114 Klicks

Ich lege mich deshalb darauf fest, dass die Änderungen im Suchvolumen fĂŒr die Verschlechterung bei den geschĂ€tzten Klicks trotz verbesserter Positionen verantwortlich sind.

Fun Fact 

Schwankungen in der Sichtbarkeit von Sistrix sind fast nie auf Schwankungen im Suchvolumen zurĂŒckzufĂŒhren. Ausnahmen sind komplette Intent-Shifts wie bei [independence day] rund um den 4. Juli in den USA, wo es dann um den Feiertag und nicht den Film geht. Oder [euro], wenn alle vier Jahre eine Europameisterschaft im MĂ€nnerfußball stattfindet und wir nicht von der WĂ€hrung sprechen.

Der Grund dafĂŒr? Der Sichtbarkeitsindex basiert mit Blick auf das Suchvolumen auf dem Monatsdurchschnitt ĂŒber die letzten 12 Monate. So lĂ€sst sich mit Sistrix die Sichtbarkeit besser vergleichen als der geschĂ€tzte Traffic.

Was können wir daraus lernen?

Die Intuition ist ein guter Impuls, um die PlausibilitĂ€t von Daten zu hinterfragen. Nicht alles erklĂ€rt sich von allein. Obwohl wir hier ein relativ simples Beispiel haben, sehen wir, dass es unterschiedlichste GrĂŒnde fĂŒr eine Sachlage geben kann.

Es lohnt sich daher, mehrere sinnvolle Hypothesen abzuleiten, die sich anhand von Experimenten oder erhebbaren Daten validieren oder falsifizieren lassen. Dann kommen wir den Dingen meist so weit auf den Grund, dass wir Urteile fÀllen und Empfehlungen nach bestem Wissen und Gewissen aussprechen können. Oder wie siehst Du das?

 Philipp Götza
Philipp Götza
Junior Consultant
Google Under Pressure – Wie die sozialen Medien Google brechen 🩮

Du möchtest heute Mittag etwas essen gehen? Vielleicht hast Du ein Relevant Set (= bestimmte Anlaufstellen, die sich in Deinem Bewusstsein verankert haben) – oder Du suchst Inspiration. Aber wo suchst Du?

Nora zum Beispiel zĂŒckt dann gerne das Smartphone und sucht beispielsweise bei Instagram nach Sachen in der NĂ€he. Durch Stories kann sie sich hier zusĂ€tzlich ein GefĂŒhl fĂŒr die AtmosphĂ€re verschaffen.

Ein Screenshot aus der Instagram App. Zu sehen ist eine Karteneinbindung von Hamburg und darunter eine Liste mit Cafés. Auf der Karte sind kreisförmige Einblendungen zu sehen, die signalisieren, dass es Stories zu diesen Cafés gibt.

So oder so Ă€hnlich hast Du das sicherlich auch schon mal in Deinem Bekanntenkreis gehört oder bei den jĂŒngeren Generationen mitbekommen.

Google selbst wird nicht mĂŒde, es zu betonen: 40% der GenZ suchen auf TikTok oder Instagram, wenn sie Restaurants finden möchten. Johan ist sich sicher, dass mit solchen Aussagen die eigene Marktmacht relativiert werden soll:

"In jeder guten Propaganda steckt auch ein wahrer Kern."

– Johan von HĂŒlsen

Das sehe ich auch so. TikTok und andere Suchsysteme im Bereich Inspiration und Video sind auf dem aufsteigenden Ast. Auch fĂŒr diese Entwicklungen gibt es neben der Aussage von Google weitere Daten. Nora hat dazu auch in ihrem Artikel "Beyond Google: Wie verĂ€ndert sich Suchverhalten?" geschrieben und erzĂ€hlt Dir heute, ob TikTok eine Suchmaschine ist, oder nicht. Folgende Studien sind auf jeden Fall spannend:

Die Studie von Rise at Seven beschreibt nur ein kleines Keyword-Set und die Herkunft der Daten (wo kommen welche Daten von welchen Keywords her) ist nicht transparent genug. Dennoch ist klar, dass TikTok auch fĂŒr uns SEOs interessant ist und eine Bedrohung fĂŒr Google darstellt.

Warum ist das ein Problem fĂŒr Google?

Google verliert nicht nur im Shopping (siehe Teil 1 zu Google Under Pressure), sondern auch in anderen FĂ€llen an Einfluss. FĂŒr  Meinungen, Inspiration & Co. sind TikTok, Pinterest, Instagram und auch YouTube einfach besser. YouTube kann Google zumindest als direkte Konkurrenz ausklammern.

Themen wie Reisen, Restaurants, sowie Meinungen zu BĂŒchern und Produkten sind kommerziell interessant. Blöd, dass Google hier zumindest bei den jĂŒngeren Zielgruppen nicht immer die erste Anlaufstelle ist. Die Aussage "40% der Menschen suchen lieber bei TikTok & Instagram" steht im Raum,auch wenn das so nie gesagt wurde. Selbst auf großen BĂŒhnen hat man dieses Zitat oft (falsch wiedergegeben) gesehen. Es passt in das Narrativ, dass Google am Straucheln ist und soll andere KanĂ€le attraktiver wirken lassen.

Aber auch wenn ich mein eigenes Verhalten beobachte, dann ist folgendes Szenario sehr gÀngig:

  1. Ich frage mich, ob etwas – z. B. ein Produkt – gut ist oder nicht

  2. Nach einer kurzen Google Suche zweifle ich oft an den Ergebnissen, da Reviews und Vergleiche oft von (schlechten) Affiliates dominiert werden

  3. Alternative: Ich suche zum Beispiel auf YouTube oder lese mir einen Reddit Thread mit Reviews durch (dazu aber an anderer Stelle mehr)

Mich wundert es daher kaum, dass noch jĂŒngere Zielgruppen auf TikTok und Instagram aktiv sind und sich von ihren Idolen inspirieren und leiten lassen. Das ist aus meiner Sicht auch der zentrale Unterschied zwischen TikTok, Instagram und Google: Social Media ist vor allem ein Ort fĂŒr Creator – Google fĂŒr Marken. AuthentizitĂ€t können Menschen besser rĂŒberbringen, als eine gesichtslose Marke.

Was kann Google dagegen tun?

Google ist bemĂŒht, Meinungen, Videos und Menschlichkeit zu belohnen. Das Perspectives Feature war ein Schritt in diese Richtung. Leider sind die Ergebnisse nicht so spannend, wie in der AnkĂŒndigung gezeigt. Johan hat sich das fĂŒr eine PrĂ€sentation nĂ€her angeschaut und war ernĂŒchtert:

Google Perspectives fĂŒr die Suchanfrage "fancy restaurants in chicago". Zu sehen sind normale Suchergebnisse fĂŒr Reddit und TikTok, wobei das Ergebnis fĂŒr TikTok auch eine Videoeinbindung hat.

Wenn man lange scrollt, kommt man zu dieser Ansicht, die deutlich dynamischer und weniger wie eine klassische Suchergebnisseite wirkt:

Google Perspectives fĂŒr die Suchanfrage "fancy restaurants in chicago". Es wurde der Filter "With a view" ausgewĂ€hlt. Die Optik der Suchergebnisseite hat sich verĂ€ndert. Jetzt werden in vertikalen blauen Rechtecken unterschiedliche Ergebnisse angezeigt und ein deutlicher Unterschied zur normalen Suchergebnisseite ist erkennbar.

Features wie "Circle to Search" helfen ebenfalls, die Erfahrung interessanter und einzigartiger zu machen. Google muss fĂŒr mehr Spaß, mehr Inspiration, mehr Videos und mehr Menschlichkeit sorgen. Es geht dabei vor allem um die jĂŒngeren Generationen, die hinsichtlich ihres Suchverhaltens anpassungsfĂ€higer sind und eher neue Wege ausprobieren, als die Ă€lteren Generationen.

Ich sage immer gerne, dass wir Menschen faul sind (Inertia Default, unsere Neigung zur TrÀgheit). Denken ist anstrengend und das eigene Verhalten anzupassen ist noch viel anstrengender. Wir ruhen uns daher gerne auf dem aus, was wir bereits kennen und können. Google hat sich aufgrund der eigenen Stellung lange ausruhen können und ist womöglich trÀge geworden.

"Google muss ein bisschen was von den Sachen, die es im Social gibt, in die Suche bringen, um die abgewanderten jĂŒngeren Zielgruppen zurĂŒckzuholen."

– Johan von HĂŒlsen

Das ist besonders wichtig, weil wir den Shift im Verhalten vor allem bei den jĂŒngeren Zielgruppen beobachten können. Also bei den Kunden von morgen.

Andy Crestodina hat mal in einem Podcast gesagt:

"People are on Google Search when they're busy and on Social Media when they're bored. They are opposite channels. In search you want to meet expectations while in social you want to surprise."

Diese starren Grenzen lösen sich langsam auf. Google Discover wird als Teil von SEO gesehen, obwohl es von der FunktionalitĂ€t deutlich mehr dem Feed von sozialen Medien Ă€hnelt. Umgekehrtes gilt fĂŒr TikTok und Instagram. Angefangen als Recommendation Engine geht es hier zunehmend in Richtung Search Engine, auch wenn die Definition einer Suchmaschine fĂŒr viele, mich inkludiert, eine andere ist.

Spannend ist auch: TikTok liefert inzwischen Daten, wie die eigenen Posts gefunden werden. 

Daten aus dem Account Backend bei TikTok. Zu sehen sind Traffic-Quellen (im Beispiel 13,4% aus der Suche auf TikTok) und weitere Informationen. Neben den Quellen gibt es auch Informationen zu Impressionen, Klicks, der CTR und der durchschnittlichen Position.

Mehr zur Bildquelle

Interessant dabei: 

  • Es gibt Daten zu Impressionen, Klicks und der durchschnittlichen Position

  • Die CTR ist fĂŒr #3 im Ranking extrem hoch mit 66%

Offizielle Keyword-Daten (z. B. zum Suchvolumen, den einzelnen Suchtermen, etc.) gibt es bisher nicht. Das wÀre aber als Feature aus Sicht von TikTok durchaus denkbar.

Google wird nicht von heute auf morgen verschwinden oder als Plattform irrelevant sein. Um aber die jungen Generationen und damit auch die Zukunft und den Anschluss nicht zu verlieren, muss hier mehr passieren.

Was bedeutet das fĂŒr Dich als SEO?

Nora macht es schön vor: Bleibe am Ball beim Thema "alternative" Suchmaschinen und -systeme. Google ist zwar DIE Suchmaschine, aber nicht die einzige Plattform, auf der Du relevante Nachfrage einfangen kannst.

Beim Erarbeiten Deiner SEO-Strategie können Suchsysteme wie YouTube, TikTok & Co. daher auch eine wichtige Rolle spielen. Entweder, weil Du

  1. den Markt zunehmend dominieren möchtest (als großes Unternehmen), 

  2. oder Du einen sinnvollen Weg suchst, Dich von der Konkurrenz abzugrenzen und eine Chance zu haben (als kleineres Unternehmen).

Ein paar AnsĂ€tze fĂŒr Fall 2 findest Du in meinem Artikel zu Blue Ocean SEO.

Den Moment möchte ich aber auch nutzen, um etwas Wind aus den Segeln zu nehmen: TikTok, Instagram & Co. sind nicht automatisch der beste Ort, um Traffic fĂŒr Deine Website zu akquirieren. 3 Graphen aus einer Studie von Reuters. Zu sehen ist wie viel Traffic ĂŒber das Jahr 2023 durch die unterschiedlichen Social Media KanĂ€le (Facebook, Twitter/X und Instagram) und Google auf Websites eingelaufen ist. Google sendet deutlich mehr Traffic, als alle Social Media KanĂ€le zusammen.

Auch ohne Google News generiert Google deutlich mehr Traffic fĂŒr (News-)Websites als alle untersuchten Social Media KanĂ€le zusammen. Diese Zahlen können sich ĂŒber die Zeit Ă€ndern und sind auch nicht fĂŒr alle Branchen gleich. GrundsĂ€tzlich gilt aber auch in 2024:

Die organische Suche ist im Durchschnitt der mit Abstand grĂ¶ĂŸte und wichtigste Kanal im Internet, um Traffic fĂŒr Websites zu generieren.

Teil 1 der Serie "Google Under Pressure" findest Du hier: 

Google Under Pressure -- Darum muss Google zur Shopping Engine werden.

Nora Tiedemann
Nora Tiedemann
Junior Consultant
Ist TikTok eine Suchmaschine? 🔍

Diese Frage hat in den letzten Wochen auf LinkedIn zu hitzigen Diskussionen unter einem Post von Phoebe Sophia Russell gefĂŒhrt.

Ich finde, das ist eine Frage der Definition. Wenn wir sagen, dass eine klassische Suchmaschine ausmacht, dass sie verschiedene Datenquellen durchsucht, dann ist TikTok keine klassische Suchmaschine. Geht es bei einer Suchmaschine nun aber grundsÀtzlich um ein Programm, das in einer Datenbank nach EintrÀgen sucht und ausspielt, die zum eingegebenen Query passen, dann ist alles mit einer Suchfunktion auch eine Art Suchmaschine.

Wenn ich ehrlich bin, finde ich diese Diskussion aber beinahe mĂŒhselig, denn Fakt ist, dass das Suchverhalten von Menschen sich Ă€ndert. Eine Studie zum Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen hat beispielsweise kĂŒrzlich herausgestellt:

"A new study of children's online habits found that children ages 4 through 18 spent a global average of 112 minutes daily on TikTok's short video app in 2023, an increase from 107 minutes the year prior."

Und auch in meinem letzten Artikel habe ich Dir bereits berichtet, dass es Suchanfragen gibt, bei denen User weniger auf Google suchen. Dom Hawes hat es in der LinkedIn-Diskussion eigentlich sehr treffend gesagt:

"I love the thread below... such a fabulous example of marketers getting lost in their own language and echo chamber. Who cares whether it's a search engine or not? Users certainly don't."

Wir sollten uns also nicht nur mit dem "Was suchen User eigentlich wie", sondern auch mit dem "Wo suchen User" beschĂ€ftigen. Ich wĂŒrde Andy Chadwicks Aussagen aus seinem Artikel "Search Experience Optimisation vs Search Engine Optimization" genau so unterschreiben:

"Going forward, you may want to view keywords with a "second layer of intent", so to speak. Rather than just saying "this keyword is informational" it may be useful to know "This keyword is informational, AND for THIS audience, it would probably do better on TikTok".

You'd then want to create content which aligns with this "second level" of intent. I call it "3D intent" because we're effectively trying to add a 3rd dimension of intent to a keyword."

Das heißt nicht, dass Du jetzt zwangslĂ€ufig einen TikTok Kanal brauchst, Du solltest bei einer Themenrecherche kĂŒnftig aber nicht nur nach Suchvolumen und Search-Intent entscheiden, ob ein Keyword fĂŒr Dich geeignet ist, sondern auch, ob Du die notwendige Plattform bedienen kannst. 

Aber wie können wir auf diese Entwicklung reagieren?

Erstmal ruhig bleiben – denn glĂŒcklicherweise Ă€ndert sich die Welt meistens nicht von heute auf morgen. An Deiner Stelle wĂŒrde ich: Mit Deinen Kollegen und Kolleginnen aus dem Social Media Bereich sprechen, vielleicht ergeben sich hier spannende Synergien.

Dazu hat Carrie Rose von einem tollen Case zu einer Multi-Channel-Content-Marketing-Strategie fĂŒr einen Reiseveranstalter in UK berichtet. Hier wurden aus 300 Videos verschiedene Content Pieces geschaffen, die auf Pinterest und als GIF gespielt wurden. Der Effekt war, dass sie User dadurch noch besser in den verschiedenen Stadien der Customer Journey abholen konnten. Als NĂ€chstes soll eben dieser Content auch auf TikTok gespielt werden. Smart, denn die Kosten sind ĂŒberschaubar.

Vielleicht kann man Ă€hnliche Synergien auch fĂŒr Deine Website schaffen, denn hĂ€ufig mangelt es klassischen SEO-Teams an individuellem Bild und Videomaterial. Schau doch mal, was Du bei Deinen Social-Kollegen so in der Schublade findest, denn spannend wĂ€re doch zu schauen, was passiert, wenn wir auf Websites noch mehr versuchen, dem User verschiedene Content-Formate zur VerfĂŒgung zu stellen.

NatĂŒrlich fĂŒhrt diese Entwicklung dazu, dass klassische Suchmaschinen unter enormem Druck stehen, die BedĂŒrfnisse von Usern noch zu erfĂŒllen. Dazu erzĂ€hlen Philipp und Johan Dir in der Reihe "Google under Pressure" aber mehr. 🙂

Johan von HĂŒlsen
Johan von HĂŒlsen
GeschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter
Ich kaufe 256.149 FahrrÀder(-bezogene Rankings)

Fahrrad.de steckt in einem Insolvenzverfahren. Sie sind nicht das einzige Unternehmen, das es in den letzten Jahren ereilt hat (auch wenn die Anzahl der Insolvenzen pro Jahr immer weiter sinkt).

Auch ich hatte schon mal das Ă€ußerst zweifelhafte VergnĂŒgen, ein Insolvenzverfahren als Mitarbeiter begleiten zu dĂŒrfen. Das ist keine einfache Zeit fĂŒr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere nachdem letzte Woche die Liquidation des GeschĂ€ftsbetriebs bekannt gegeben wurde.

Trotzdem habe ich beim Lesen von Andreas' Artikel ĂŒber den Fahrradmarkt und die potenziellen Auswirkungen auf die SEO-Wettbewerber einen wesentlichen Punkt vermisst:

Was wĂ€re denn, wenn ich als Wettbewerber die Domain aus der Insolvenzmasse kaufen wĂŒrde? Wie wĂŒrde ich den Wert der Domain fĂŒr mich ermitteln? Und was könnte ich damit anstellen?

Die Angebote - unter anderem fĂŒr die Domains - zeigen deutlich, dass einige Unternehmen hier schon Antworten gefunden haben:

Also hab' ich mir aus Sistrix die Top-Competitor geholt. Die generischen rausgeworfen und fĂŒr die Top-Wettbewerber meinen Lieblings-Sistrix-View darstellen lassen:

In einer Tabelle werden die Domains fahrrad.de, fahrrad-xxl.de, bike24.de, bike-discount.de und rosebikes.de verglichen. FĂŒr jede Domain sind neben dem Sichtbarkeitsindex verschiedene Werte festgehalten. Wer jeweils ganz vorne und ganz hinten liegt, ist farblich in grĂŒn und rot hervorgehoben. Sichtbarkeitsindex: fahrrad-xxl.de ist am stĂ€rksten mi 33,12 und bike-discount.de ist am schwĂ€chsten mit 10,17.

Vergleichen wir fahrrad.de mit den anderen, dann sehen wir, dass fahrrad.de

  • nach Bike-Discount die meisten Backlinks (Linking Domains) von unterschiedlichen Domains bekommt, 3.570 StĂŒck um genau zu sein.

  • 25k rankende URLs sind deutlich mehr als bei fahrrad-xxl.de und rosebikes.de, aber weniger als bei den anderen.

  • Gleichzeitig macht fahrrad.de mit vergleichsweise wenigen Keywords den zweithöchsten Sichtbarkeitswert. Hat also tendenziell eher viel Power ĂŒber Shorthead. Die Startseite macht dabei 1,7 Sichtbarkeitspunkte. Es hĂ€ngt also nicht nur am Keyword "Fahrrad".

Mit der zweithöchsten Sichtbarkeit im Markt ist die Domain (so sie denn in den Verkauf gehen sollte) natĂŒrlich ein spannendes Ziel fĂŒr alle Konkurrenten. Sie wird aber spannender fĂŒr Domains, die:

  • Wenig Backlinks haben

  • Wenige rankende URLs aufweisen

  • Einen starken Longtail-Focus betreiben

Das gilt aber nur fĂŒr den Fall, dass man ĂŒberlegen wĂŒrde, die Domains zusammenzulegen.

GrundsÀtzlich gibt es 3 Strategien, wenn man eine Wettbewerbsdomain erwirbt:

  1. Merge auf die eigene Domain

  2. Merge auf der gekauften Domain

  3. Parallelbetrieb

NatĂŒrlich spielt in allen FĂ€llen nicht nur SEO eine Rolle und die Entscheidung ist sehr stark von der eigenen Situation und den konkreten Gegebenheiten und Bewertungen der Marktstrukturen abhĂ€ngig.

Ein paar der relevanten ErwĂ€gungsgrĂŒnde (nur fĂŒr SEO, andere KanĂ€le und Unternehmensdimensionen ignorieren wir zur Vereinfachung. Wir gehen auch davon aus, dass die Produkte auf beiden Domains die gleichen sein werden):

  • SERP Domination: Ist es mein Ziel, eine Domain bestmöglich zu platzieren? Oder ist es mein Ziel, möglichst viel „Real Estate" auf den Suchergebnisseiten zu gewinnen?

  • Branding: Ist ein Branding deutlich stĂ€rker als das der anderen Domains, dann ist eine Migration und das „Ausschleichen" des zweiten Brands wahrscheinlich sinnvoller als der Parallelbetrieb.

  • Positionierung: Mit SGE und dem Fokus auf Produktsuche wird Preis ein wichtiger Rankingfaktor. Allerdings möchte ich nicht unbedingt meine Brand mit Rabattaktionen zerstören und die Marge belasten. Ein Preis-Outlet in den SERPs könnte durchaus Sinn ergeben. Das gilt natĂŒrlich nicht nur fĂŒr den Preis, sondern kann auch bei anderen Segmentierungen der Zielgruppe sinnvoll sein. Umgekehrt sollte ohne unterschiedliche Positionierung ein deutliches Fragezeichen hinter Parallelbetrieb stehen.

  • Rankingsignale und Backlinks: Wenn Backlinks und Historie meiner aktuellen Domain fehlen, dann kann eine Migration auf eine Domain oft sinnvoll sein. Welche Domain auf welche Domain migriert wird, wĂŒrde ich primĂ€r vom Branding(potenzial) abhĂ€ngig machen.

  • Content: Guter Content ist wertvoll. Hat die Domain starke Content-Assets, die mit der Domain mitverkauft werden, dann kann das ein großer Wert sein. Entweder, um beispielsweise Domains mit unterschiedlichem Intent-Fokus (Ratgeber vs. Shop) in den Suchergebnissen zu platzieren, oder um eine Domain mit dem Content der anderen zum Fliegen zu bringen.

Wir wĂŒnschen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei fahrrad.de alles Beste.

Wir beobachten aber natĂŒrlich auch mit Interesse, wer die Domain kauft und was damit passieren wird. Und natĂŒrlich, ob wir (von außen, ohne Detailkenntnis) die Entscheidung nachvollziehen können.

 Philipp Götza
Philipp Götza
Junior Consultant
Blaues Auge fĂŒr Google beim Alphabet Earnings Call Q4 2023

Wie letzte Woche angekĂŒndigt, fand vergangene Woche Dienstag der Earnings Call von Alphabet fĂŒr das vierte Quartal 2023 statt. Das kann man schnell zusammengefasst in den Zahlen erkennen:

  • Google wĂ€chst, aber nicht so schnell, wie sich die AktionĂ€re das gewĂŒnscht hatten

  • Google Cloud Platform (GCP) wĂ€chst wieder schneller als noch in Q3 (26% vs. 23%)

  • GCP wĂ€chst zwar, aber Microsoft Azure wĂ€chst von allen Cloud-Plattformen am schnellsten (30% YoY) und hat seit dem letzten Quartal den negativen Trend beendet

  • YouTube legt ordentlich zu (in Q4 2022 hat sich der Umsatz negativ entwickelt, in Q4 2023 legt man mit +16% erneut deutlich zu)

  • Die Alphabet-Zahlen sind fĂŒr Google in Ordnung – der Aktienkurs ist aber erneut deutlich gefallen

Die Google-Aktie von Februar 2023 bis Februar 2024. Über das Jahr 2023 ist die Aktie auf ĂŒber 150 Euro gestiegen. im Februar 2023 (nach der AnkĂŒndigung des Chat Bots von Bing und dem Fail von Google Bard gab es wie auch im Oktober 2023 und im Januar 2024 jeweils EinbrĂŒche des Aktienkurses. Letztere durch die enttĂ€uschenden Ergebnisse der Earnings Calls von Alphabet fĂŒr Q3 und Q4 2023.

Fazit: Google ist vorerst mit einem blauen Auge davon gekommen.

Aussagen zur SGE vom Google CEO

Die SGE hat Google CEO Sundar Pinchai natĂŒrlich auch erwĂ€hnt:

"I'm happy with what we are seeing in the earliest days of SGE. [...] As I mentioned earlier, we are surfacing more links with SGE and linking to a wider range of sources on the results page, and we'll continue to prioritize approaches that add value for our users and send valuable traffic to publishers."

Wenn sie das nicht tun wĂŒrden (wertvollen Traffic auf unsere Websites schicken), könnte das jetzige Ökosystem Google nicht mehr funktionieren, denn Google lebt vor allem von Suchanzeigen. Wenn niemand klickt, verdient Google kein Geld.

Auf die Frage, wie die klassische Suche in der Zukunft durch KI-Technologie (SGE) beeinflusst werden könnte, antwortete Pinchai folgendermaßen:

"Clearly, as I said, as we are incorporating SGE in the product, the early feedback is positive."

Letztes Jahr habe ich gesagt, dass die SGE kommen wird. Da ist bereits zu viel Geld und Zeit eingeflossen, als dass man das Thema einfach begrÀbt. Aber bevor Google die SGE auf die SEO-Welt loslÀsst, wird sicherlich noch an ein paar Schrauben gedreht. Die dickste und wichtigste Schraube sind die Suchanzeigen.

Florian Stelzner
Florian Stelzner
GeschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter
GlĂŒckspilz Alert! Der Gewinner des SEOkomm Tickets 2024 steht fest! 🍀🌟

Auf der letzten SEOkomm haben wir ein Ticket fĂŒr 2024 verlost. Vielen Dank an Oliver und Uschi fĂŒr die großartige Möglichkeit.

Nun aber Trommelwirbel... der Gewinner ist... Andreas Schmunk!

Collage aus 9 verschiedenen Personen, die jeweils eine Spielekarte in die Kamera halten. Man sieht 7 MĂ€nner und 2 Frauen. Ein Mann mit Bart und Brille, der eine Karte in der Hand hĂ€lt, ist vergrĂ¶ĂŸert in der Mitte der Collage mit der Überschrift "The Winner" dargestellt. Im Herzen seid Ihr natĂŒrlich alle Gewinner und wir danken Euch fĂŒr Eure zahlreichen Teilnahmen. âŁïž

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