Wirklich wahres Wingmen SEO Wissen f√ľr wache Webmarketer #190
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Sandra Radtke
Sandra Radtke
Consultant
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Der bisher längste Bahnstreik steht bevor: Von morgen bis Montag bewegt sich auf den Schienen so gut wie nichts. Falls Dich auch lange Wartezeiten am Gleis erwarten oder Dein Zug ausfällt, haben wir zumindest eine gute Nachricht:

Der Wingmen-Zug rattert flei√üig weiter und f√§hrt wie jede Woche p√ľnktlich in Dein E-Mail-Postfach ein. Im Gep√§ck haben wir dabei jeden Dienstag wagonweise frische SEO-News.

√úbrigens, wenn Du den Wingmen-Zug mal live und in Farbe erleben m√∂chtest: Vom 11. bis 13. M√§rz machen wir einen Halt auf der SMX in M√ľnchen. Mit an Bord haben wir dort den Workshop "Cracking the Code: Technical SEO Strategies" und den Vortrag "Beyond Crawling: Warum Deine Seiten (nicht) indexiert werden" (mit dem Zauberwort "15wngmnSMX" bekommst Du Dein Ticket sogar zum Super-Spar-Preis).

Jetzt aber mal zum heutigen Fahrplan:

  • Lokf√ľhrerin Jolle f√§hrt mit Dir trotz flacher Hierarchien durch gute Informationsarchitekturen
  • Maschinist Philipp setzt auf Best√§tigung statt Druck f√ľr weniger Retouren
  • Bordbistroleiter Matt f√ľttert Footer
  • Fahrdienstleiterin Anita gr√ľbelt √ľber den Einsatz von KI
  • Bahnchef Johan denkt √ľber Guideline-√Ąnderungen nach

Einsteigen bitte und viel Spaß beim Lesen!

Deine Wingmenschen

Was wir gelesen haben
Jolle Lahr-Eigen
Jolle Lahr-Eigen
Consultant
Gute Informationsarchitektur trotz flacher URL-Hierarchie

F√ľr unseren Tool-Partner Sistrix habe ich die Sichtbarkeits-Gewinner des Jahres 2023 analysiert und dabei ein paar spannende Konzepte erl√§utert, wie SEO gelingen kann. Ich will hier nicht alle Erkenntnisse verraten. Aber einen Aspekt m√∂chte ich hervorheben, der in der Beratungspraxis besonders f√ľr √úberraschung sorgt.

Auch mit einer flachen URL-Struktur l√§sst sich eine gute Informationsarchitektur √ľber die interne Verlinkung erreichen.

Zeigen lässt sich das am Beispiel von trendyol.com. Bei dem Online-Shop sehen wir im Sichtbarkeitsgraphen von Sistrix direkt unterhalb des Sprachverzeichnisses /de/ verschiedene Marken.

Trendyol-Verzeichnisse unterhalb trendyol.com/de im Sichtbarkeitsgraphen von Sistrix meist direkt mit verschiedenen Marken. Mal sind es Verzeichnisse wie /adidas/ oder /by-harmony/

Die URL https://www.trendyol.com/de/damen-zweiteiler-x-g1-c83 ist eine Product-Listing-Page f√ľr "Zweiteiler f√ľr Damen". Sie ist eine der Top-URLs innerhalb des /de/-Verzeichnisses und in der URL finden wir keine weiteren Zwischenverzeichnisse f√ľr Kategorien oder Unterkategorien.

Sistrix Top-URLs innerhalb des Verzeichnisse /trendyol.com/de/.

Schauen wir dagegen auf eine Produktdetailseite, dann sehen wir in der Breadcrumb durchaus die logischen Zwischenschritte f√ľr das einzelne Kleidungsst√ľck: Damen > Bekleidung > Kleider.

Trendyol Produktdetailseite mit Breadcrumb "Hauptseite > Damen > Bekleidung > Kleider > Trendyol Collection Kleider"

So wissen nicht nur Besucherinnen und Besucher, wo auf der Seite sie sich gerade befinden und können den "Brotkrumenpfad" nach oben klicken. Auch Suchmaschinen können die Inhalte so besser kategorisieren.

Und noch viel wichtiger: Die relevanten Kategorien und Unterkategorien bekommen durch die Breadcrumb-Verlinkung Linkpower mit den passenden Ankertexten. Das beschert ihnen innerhalb des URL-Inventars die angemessene interne Wertigkeit ‚Äď auch f√ľr Google.

Informationsarchitektur lässt sich eben nicht einfach an den Schrägstrichen der URLs einer Domain ablesen. Viel wichtiger ist die interne Verlinkung der einzelnen Seiten.

Dr√ľben bei Sistrix habe ich noch ein paar weitere SEO-Tipps gegeben. Schau gerne mal rein und sag mir, was Du davon h√§ltst.

 Philipp Götza
Philipp Götza
Junior Consultant
Bestätigung statt Druck: Mehr Verkaufen mit wenig Retouren

Daten und Studien sind oft gute Argumente ‚Äď auch um zum Weiterlesen zu motivieren. Wenn ich Dir sage, dass Du mehr verkaufen und gleichzeitig wenig Retouren haben kannst, w√ľrdest Du mir das glauben? Vermutlich nicht. Wenn ich Dir aber mit Daten belegen kann, dass das stimmt und Dir aufzeige, wie viel Potenzial dahinter steckt, w√ľrdest Du mir aufmerksam zuh√∂ren/diesen Artikel lesen.

Bei einem Feldexperiment eines asiatischen Retailers mit fast 6.000 Teilnehmenden wurde von Forschenden getestet, ob Druck oder Best√§tigung zu mehr Conversions f√ľhren und wie sich das jeweils auf die Retourenquote auswirkt. Kurzum: Die Studie belegt, dass Best√§tigung langfristig positiver ist¬† als Druck, um mehr zu verkaufen und gleichzeitig Retouren zu senken. Wie kann das sein?

Die Ergebnisse und Erklärungen

Die Forschenden haben auf unterschiedliche Hinweise auf Produktseiten zur√ľckgegriffen, die helfen sollten, die Conversion Rate zu steigern. Auf zweiter Ebene wurde die Retourenquote der einzelnen Gruppen gemessen. Das kam dabei heraus (am Ende der Klammern jeweils die Werte der Kontrollgruppe):

  • Zeitdruck = mehr Conversions (6,9% vs. 2,4%) aber 4x so viele Retouren (2,2% vs. 0,5%)

  • Sozialer Druck = mehr Conversions (5,1% vs. 2,4%) aber deutlich mehr Retouren (1,3% vs. 0,5%)

  • Best√§tigung = mehr Conversions (4,5% vs. 2,4%) und nur minimal mehr Retouren (0,6% vs. 0,5%) Retouren

Die Anpassungen der Produktseiten sahen in etwa so aus:

Eine Grafik von Ariyh, die eine beispielhafte Anpassung der Produktseite darstellt. Auf der linken Seite wird bestätigt, z. B. mit "Perfectly fits your style!". Auf der rechten Seite wird unter Druck gesetzt, z. B. mit "Only 3 left at this price!".

Warum funktioniert das? Wir Menschen sind nicht rational, auch wenn wir das oft denken.

"The trouble with market research is that people don't think what they feel, they don't say what they think and they don't do what they say."

‚Äď David Ogilvy (bekannt als Vater der modernen Werbung und hoch angesehener Werbetexter)

Wir verfallen kognitiven Verzerrungen, die sich maßgeblich auf unsere Entscheidungen auswirken. Falls Dich das Thema generell interessiert, kannst Du in meinem Artikel zu Buchempfehlungen nach Inspiration suchen.

Ph√§nomene wie FOMO (= Fear of Missing Out) f√ľhren dazu, dass wir bei k√ľnstlicher Verknappung einknicken, wie ein Souffl√©, das bei kleinsten Ger√§uschen zusammenf√§llt. "Nur noch X-St√ľck auf Lager", "Bald ausverkauft", "Angebot nur noch bis XYZ g√ľltig". Du kennst es sicherlich von Deinem eigenen Surfverhalten. Wenn wir dann kaufen, treffen wir oft emotionale Entscheidungen. Das f√ľhrt unter anderem dazu, dass wir eine Gr√∂√üe kaufen, die vielleicht nicht passt. Oder bereuen den Kauf im Nachhinein (= Kaufreue). Auch diese Dinge kommen Dir m√∂glicherweise bekannt vor.

Wie hoch ist die Aussagekraft dieser Studie?

Neben selbst genannten Limitierungen, wie, dass nur im Fashion-Bereich geforscht wurde und hier eine generell höhere Retourenquote zu erwarten ist (40% vs. 20% bei Wohnen & Einrichten als Beispiel), nannten die Forschenden unter anderem auch folgende Aspekte:

  • Der Retailer verkauft vor allem limitierte Produkte (bei denen ohnehin schon auf k√ľnstliche Verknappung zur√ľckgegriffen wird)

  • Druck und Best√§tigung wurden nicht gleichzeitig getestet

  • Der Anbieter ist bekannt und vertrauensw√ľrdig

  • Unterschiede zwischen asiatischen und westlichen Kulturen (mein Gedanke)

Auch eine Studie von Elaboratum kommt zu ähnlichen Ergebnissen, um Umsätze zu steigern und Retouren zu senken. Interventionen im Warenkorb, die auf Verhaltenswissenschaften basieren, wie z. B. Verlustaversion, soziale Normen und Selbstinteresse haben Auswirkungen auf die Conversion Rate, Umsatz und die Retourenquote. Bei einem großen Experiment in unterschiedlichen Ländern (Europa) gab es unter anderem folgenden Effekt:

Wird der eigene Vorteil betont (z. B. Zeit sparen und direkt die richtige Gr√∂√üe bestellen) f√ľhrt das zu einer h√∂heren Conversion Rate (+4,53%), einer geringeren Retourenquote (-3,61%) und zu einem starken Umsatzwachstum (+9,18%). Es lohnt sich also in jedem Fall, auf Produktseiten und im Warenkorb mit unterschiedlichen Varianten zu experimentieren.

Was kannst Du daraus noch mitnehmen?

Niemand mag Retouren. Die Umwelt wird unn√∂tig belastet. Dich als K√§ufer oder K√§uferin kostet es im Durchschnitt 20-30 Minuten Zeit Deines Lebens und im Zweifel auch Geld (kostenlose Retouren sterben langfristig aus). Und zu guter Letzt freuen sich Verk√§ufer und Verk√§uferinnen ebenso wenig √ľber die Kosten einer Retoure, die im Schnitt 20 Euro betragen.

Wenn wir es schaffen, mehr zu verkaufen und gleichzeitig relativ weniger Retouren zu haben, dann ist das eine Win-Win-Situation. Was das auch verdeutlicht, ist das mentale Modell des "Second and Third Order Thinking" (einen Artikel zu Second Order Thinking habe ich letztes Jahr geschrieben). Auf erster Ebene mag es stimmen, dass das Aufbauen von Druck zu mehr Conversions f√ľhrt.

Auf zweiter Ebene stellt man aber fest, dass die Retouren disproportional st√§rker gestiegen sind. W√ľrden wir unsere Entscheidungen nur auf erster Ebene bewerten, k√§men wir langfristig zu vielen Fehlentscheidungen.

Wenn wir uns das bildlich vorstellen, dann haben Entscheidungen oft Auswirkungen auf unterschiedlichen (Zeit)Ebenen. Was heute wie eine gute Idee wirkt, entpuppt sich langfristig als Flop und umgekehrt. Oder heute wirkt eine Entscheidung A besser als eine Entscheidung B, morgen nicht mehr. H√§ufig sind diese Konsequenzen 2. Ordnung und 3. Ordnung absehbar, wenn man ausreichend Informationen f√ľr eine Entscheidung sammelt. Die Grafik verdeutlicht den Sachverhalt f√ľr das Beispiel aus der Studie aus Asien:

Eine grafische Darstellung von Konsequenzen erster Ordnung und Konsequenzen zweiter und dritter Ordnung. Auf der linken Seite sind Entscheidung A und B dargestellt. In diesem Fall Druck und Bestätigung. Druck ist erst gut (= mehr Conversions als B). Auf zweiter Ebene dann aber nicht gut, da die Umwelt mehr belastet wird, Käufer und Käuferinnen Zeit verlieren und Verkäufer und Verkäuferinnen höhere Kosten haben. Auf zweiter Ebene ist also Bestätigung besser (= langfristiger).

Wie so oft gilt also: Langfristig denken, auch in der SEO. Was auf den ersten Blick aussieht wie der neue heiße Scheiß (z. B. massenhaft KI-Content, der schnell in der Sichtbarkeit und organischem Traffic steigt oder tolle Conversion Rates durch sozialen Druck und Zeitdruck) ist langfristig doch nicht das Gelbe vom Ei (= der Moment in dem Google den organischen Traffic sprengt oder Du siehst, wie viel mehr Retouren bei Dir einlaufen).

Eine Sache, die Du unbedingt aus diesem Artikel mitnehmen solltest: Wenn Du mehr verkaufen möchtest, probiere unterschiedliche Sachen auf Deinen Produktseiten und im Warenkorb aus.

F√ľr die SEO gilt: Denke √ľber die Konsequenzen Deiner SEO-Entscheidungen nach und lass' die Finger vom Schabernack, der Dir langfristig nichts bringt und Deine Domain in kritisches Fahrwasser bringt.

Matthias P√ľlz
Matthias P√ľlz
Junior Consultant
Gib Deinem Footer Futter

Es ist wieder einmal soweit: Du hast bemerkt, dass eine Deiner URLs (noch) nicht so toll performt, wie Du es Dir w√ľnschen w√ľrdest. Dabei passt alles: Der Content ist einzigartig und mit Mehrwert gef√ľttert, die Technik bietet die perfekte Grundlage und auch die User Experience ist tip top.

Trotzdem will es mit den Rankings (noch) nicht richtig klappen. Also soll es die interne Verlinkung regeln.

Ab damit in die Hauptnavigation?

Jetzt √ľberlegst Du vielleicht, die jeweilige(n) URL(s) noch als weiteren Punkt in der Hauptnavigation unterzubringen. Ganz nach dem Motto: Einer geht noch. Einer geht noch rein.

Schade nur, dass Du Dir das die letzten vier Mal auch schon gedacht hast und die Hauptnavigation mittlerweile beinahe so √ľberf√ľllt ist wie ein Kaufhaus wenige Tage vor Weihnachten. Hinzu kommt, dass die Entscheidung √ľber den Aufbau der Hauptnavigation oft nicht (nur) vom SEO-Team entschieden wird.

Wie sieht es mit der Startseite aus?

Aber wohin dann? Die Startseite w√§re nat√ľrlich noch eine M√∂glichkeit. Eine, die Du auch gerne nutzen kannst. Aber sch√∂ner w√§re es, wenn der Link auch auf allen anderen URLs Deiner Website vorhanden w√§re.

Ab damit in den Footer

Bleibt also noch der Footer. Was denn? Dort unten neben AGBs und Impressum sollst Du die wichtigsten Links Deiner Website unterbringen? Nein, nat√ľrlich nicht. Die geh√∂ren trotzdem in die Hauptnavigation.

Aber f√ľr URLs, die zwar wichtig sind, aber nicht so wichtig, es in die Hauptnavigation zu schaffen, ist der Footer eine tolle Wahl. Besonders Kategorieseiten eignen sich hierf√ľr wunderbar.

Aber "z√§hlen" solche Links √ľberhaupt? Die Antwort lautet: Ja, tun sie (Mehr dazu findest Du in diesem Artikel). Au√üerdem erh√∂ht sich dadurch in der Folge nat√ľrlich auch die Crawl-Rate dieser URLs, da sie von jeder Seite der Website aus verlinkt werden. F√ľr eine bessere √úbersicht solltest Du die jeweiligen Links ab einer gewissen Anzahl √ľbrigens mit Zwischen√ľberschriften sortieren.

Wie man sowas konkret umsetzen kann, zeigt About You recht schön:

Footer des Onlineshops von About You mit Links zu Damen Kategorien und Damen Marken

Neben einiger Kategorieseiten sind dort auch ein paar relevante Marken-URLs verlinkt und die jeweiligen Links sind mit Zwischen√ľberschriften gruppiert. Weiter unten folgen dann Social Media Links, Kundenservice und Trust-Signale, ehe ganz am Ende der Seite die "√ľblichen Verd√§chtigen" in Form von √úber Uns, Impressum, Datenschutz und dergleichen auftauchen:

Footer von About You mit Social Media, Kundenservice, Trust-Signalen und rechtlichen Punkten

Selbstverst√§ndlich gibt es noch viele weitere M√∂glichkeiten, wie Du das Thema angehen kannst. Dazu kommt, dass jede Domain andere Voraussetzungen hat, die Du ber√ľcksichtigen musst. Gerade kleinere Websites sollten es mit den Links im Footer demnach nicht √ľbertreiben. Lieber ein paar ausgew√§hlte URLs als ein Meer an Verlinkungen, lautet hier die Devise.

Abschließende Worte

Wie sieht es bei Dir aus: Nutzt Du Deinen Footer auch schon, um gezielt URLs zu f√∂rdern und den ein oder anderen Deeplink zu setzen? Oder ist es bisher nur das Abstellgleis f√ľr die rechtlichen Sachen, die dort stehen, weil sie irgendwo untergebracht werden m√ľssen?

Das Sch√∂ne an Links im Footer ist ja, dass sich die Anpassungen mit minimalem Aufwand umsetzen lassen. Wenig Arbeit mit sp√ľrbarem Ergebnis sozusagen.

Du willst noch mehr √ľber das Thema wissen? Kein Problem! Anita hat in der Newsletter Ausgabe #168 ebenfalls einen Artikel zu Footern geschrieben. Vorbeischauen lohnt sich auch hier!

Anita Böhm
Anita Böhm
Consultant
Klarnamenpflicht f√ľr KI?

Nick Marten von Stepstone hat letzte Woche eine kleine Umfrage bei LinkedIn gestartet. Thema: Sollte man Inhalte, die mit Hilfe von KI erstellt wurden, kennzeichnen?

Aktuell verteilen die Stimmen sich so:

  • 11% sagen, dass es nicht n√∂tig ist, mit Hilfe von KI erstellte Inhalte in irgendeiner Form zu kennzeichnen

  • 42% sagen das Gegenteil und sind der Meinung, dass entsprechende Hinweise unbedingt erforderlich sind

  • 48% finden, dass es - wie so oft - darauf ankommt und f√ľhren das in den Kommentaren weiter aus

Meiner Meinung nach kommt es darauf an, wie die "Hilfe von KI" im Detail gestaltet ist.

KI ohne Kontrolle: Eine KI generiert auf Basis von Prompts Inhalte, die dann ohne weitere / ausreichende Kontrolle ver√∂ffentlicht werden: In diesem Fall m√ľssen Leser*innen meiner Meinung nach unbedingt wissen, dass sie hier einen Text vor sich haben, der keine angemessene menschliche Qualit√§tssicherung erfahren hat.

Nur so k√∂nnen sie bewerten, wie viel Vertrauen sie den enthaltenen Informationen schenken m√∂chten und beschlie√üen, einzelne Aspekte vielleicht nochmal zu √ľberpr√ľfen, wenn sie sich unsicher sind.

KI als Hilfe: Wird die KI hingegen mehr oder weniger intensiv als Unterst√ľtzung bei der Erstellung von Inhalten genutzt und die so generierten Texte ausreichend intensiv √ľberpr√ľft, um sicherzustellen, dass da kein Unfug drin steht, sieht die Sache anders aus: Hier ist es aus meiner Sicht in Ordnung, wenn der Mensch, der die Prompts gebaut hat und am Ende seinen gr√ľnen Haken dran gemacht hat, sich als Autor*in bezeichnet (oder als Autor*in einfach die Redaktion allgemein genannt wird).

Denn Leser*innen können in diesem Fall davon ausgehen, dass der Text qualitativ einem "handgemachten" Artikel in nichts nachsteht.

Philipp hat dazu passend eine Studie von Evergreen Media rausgekramt. Die besagt,

"dass Inhalte aus KI als weniger vertrauensw√ľrdig als die Google Suche eingesch√§tzt werden."

Was aus meiner Sicht absolut legitim ist. Nicht nur, weil sich Fehler einschleichen können. Sondern auch, weil wir immer wieder sehen, dass zumindest momentan KI-generierte Inhalte nicht frei von Vorurteilen und manchmal leider sogar diskriminierend sind.

Astrid Kramer befasst sich damit regelm√§√üig, also am besten einfach ihren LinkedIn-Feed im Auge behalten, wenn Du Dich daf√ľr interessierst. Erst letzte Woche hat Astrid einen Beitrag zum Thema "KI & Diversity" f√ľr HostEurope verfasst: "Wie gef√§hrlich ist K√ľnstliche Intelligenz im Hinblick auf Biases?".

Bei einem Text, der KI-generiert wurde und der eine ausreichende √úberpr√ľfung durch menschliche Redaktion erfahren hat, k√∂nnte man, regt Philipp an, √ľbrigens auch ein "Gepr√ľft durch <person>"-Label erg√§nzen, um das Vertrauen zu wecken. Ein guter Kompromiss, wie ich finde.

Die Umfrage von Nick l√§uft √ľbrigens noch 2 Tage. Wenn Du also auch mit abstimmen m√∂chtest, hast Du noch bis Donnerstag die Gelegenheit, dies zu tun.

Johan von H√ľlsen
Johan von H√ľlsen
Gesch√§ftsf√ľhrender Gesellschafter
Appen verliert Vertrag. √Ąnderung f√ľr die Quality Rater Guidelines?

Appen ist vermutlich die gr√∂√üte Agentur, die Quality Rater f√ľr Google besch√§ftigt.

Insgesamt verwendet Google den Input von 16.000 Quality Ratern, die Ergebnisse auf Basis der Quality Rater Guidelines bewerten. Google nutzt diese Ergebnisse dann zur Evaluation der Qualität der Suchergebnisse und dem Impact von Ranking-Anpassungen.

Das australische Unternehmen hat jetzt ver√∂ffentlicht, dass Google den Vertrag gek√ľndigt hat (entdeckt bei Cyrus Shepard).

Die K√ľndigung steht (laut Appen) im Kontext strategischer Vertragsreview auf Google-Seite (Google ist ja weiter auf Sparkurs).

Google verzichtet damit auf den größten Lieferanten von Ranking-Reviews. Wie wichtig der Quality-Rater-Prozess (und der resultierende IS4-Score) ist, hat Google im laufenden FTC-Hearing immer wieder betont (nachzulesen in den Protokollen der öffentlichen Sitzung).

Meine These ist ja, dass Google auch ein Interesse hat den Impact der Quality Rater in diesem Verfahren st√§rker zu betonen. Je wichtiger Richterinnen und Richter die Quality Rater f√ľr das Ranking wahrnehmen, desto geringer ist die Wichtigkeit der User-Daten f√ľr die Richter. Damit wird der Impact des Monopols runtergespielt. Schlie√ülich steht es ja jedem Startup frei Quality Rater anzuheuern. Aber die Such- und User-Daten, die kann niemand reproduzieren.

Was bedeutet das also, wenn Google den Vertrag k√ľndigt? Was steckt dahinter?

Variante 1 - Vertragspoker: Wir sehen das Ganze als klassisches Business-Theater. Google hat entweder bereits einen billigeren Anbieter gefunden oder m√∂chte Druck auf Appen aus√ľben, den Vertrag deutlich billiger zu machen (bei 82,8m US$ Vertragsvolumen nur bei Appen kann man das mal versuchen). Wie Cyrus in seinem (sehr lesenswerten) Text √ľber sein Experiment als Quality Rater schrieb: Die Liste der Dienstleister ist nicht statisch, sondern √§ndert sich regelm√§√üig.

Variante 2 - KI/Machine Learning: M√∂glicherweise k√∂nnen ja √ľber Clicks und User-Daten und die Historie der Quality Rater-Ergebnisse die Informationen gewonnen werden, ohne die Quality Rater besch√§ftigen zu m√ľssen. Diese Option hat Dawn Anderson im November in Search Engine Land lesenswert diskutiert:

Quality rater and algorithmic evaluation systems: Are major changes coming? Recent breakthroughs indicate that AI systems can replace human raters in search evaluation. Still, concerns remain over quality and bias.

Tatsächlich ist es sehr wahrscheinlich, dass Google die Anzahl der Quality Rater auf ein Minimum reduziert. Die Aufgabe der verbliebenen Rater ist es dann lediglich zu schauen, ob die Qualität des Machine Learning-Systems ausreichend funktioniert.

Das hätte Impact auf die Google Suche:

  1. Eine weitere Pflege der öffentlichen Quality Rater Guidelines wird nicht mehr notwendig. Damit könnten die Guidelines noch stärker genutzt werden, um Website-Betreiber zu motivieren, ihre Seiten in eine spezifische Richtung zu entwickeln.

  2. Wird Quality Rating billiger (und schneller), dann k√∂nnen wesentlich mehr Ratings durchgef√ľhrt werden. Das erm√∂glicht spannende Perspektiven in der Spam-Bek√§mpfung. Aber es erm√∂glicht auch generell, die Ratings (anders als bisher) in das Ranking einzubeziehen.

Google gibt sich weiter den AI-Ergebnissen hin. Das muss nichts Schlechtes sein. Kann aber gehörig schief gehen. Auch da, wo Google auf KI setzt, sehen wir nicht durchgängig positive Effekte.

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